1. März 2007

Smokin' Aces

Quentin Tarantino hat es vorgemacht. Mit der comicartigen Stilisierung von Charakteren begründete er ein neues Filmgenre. Zu seinen Verehrern zählt ganz offensichtlich auch Regisseur Joe Carnahan, der das Publikum vor vier Jahren mit seinem unsentimentalen Cop-Drama "Narc" befeuert hat und nun ein ebenso aufpoliertes, bleihaltiges wie wendungsreiches Stück Action-Movie nachlädt.

Hauptprotagonist ist der schmierige Falschspieler und La Cosa Nostra-Gangster Buddy "Aces" Israel (Jeremy Piven). Der hat sich für das FBI-Zeugenschutzprogramm und eine Aussage gegen seinen Paten Primo Sparazza (Joseph Ruskin) entschieden, um lässig von der Bildfläche zu verschwinden.

Der große Haken dabei ist dessen "Kill Buddy"-Aufruf: Eine Million Dollars an "Kopfgeld" bescheren Aces neben eigens ausgesandten Schutzengeln (Ray Liotta und Ryan Reynolds) gleich eine ganze Armada an Auftragskillern. Die sollen dem abtrünnigen Mafioso nämlich bei lebendigem Leibe das Herz herausschneiden.

Gestorben wird dabei zwangsläufig häufig, überraschend und stellenweise beinahe schon ästhetisch. Dass bei einem solchen Plot keiner der Beteiligten mit offenen Karten spielt, ist obligatorisch und auch Carnahan lässt sich zu Anfang nicht so recht ins Blatt schauen; zündet mehrere Handlungslunten zugleich. Das führt auf wie vor der Leinwand zu so mancher Verwirrung und selbst über die gesamten 108 Minuten Dauerfeuer betrachtet - die dem Zuschauer immer mal wieder die Zeit geben, sich zwischen Schmauchspuren und Blutspritzern wieder freie Sicht zu verschaffen - legt der Filmemacher weniger Wert auf Logik denn vielmehr auf Look.

Und der hat schlicht etwas verdammt noch mal Schickes! Piven verpasst seiner Rolle dieses zutiefst Abgewrackte, kehrt das kokszerfressene innerlich Kaputte vor die glitzernde Fasade seines Buddy Aces; auf der anderen Seite bleibt Ryan Reynolds als Agent Richard Messner mit seinem Spiel nachhaltig im Gedächtnis und auch sämtliche Akteure drumherum (einschließlich die dem gestrengen Blick standhaltende Soulsängerin Keys nebst Rapper Common) sind schlicht wie aus dem (Comic-)Bilderbuch: Exzentrische, durchgeknallte, schräge Figuren, die allesamt einen Psychiater lockerlässig mehrere Quartale ausbuchen könnten.

Keine Frage: Carnahan betritt mit "Smokin' Aces" kein Neuland. Nicht nur Tarantinos und Guy Ritchies Werk stand diesem schwarzhumorigen, mit Ben Affleck und Andy Garcia bis in die kleinen Rollen bestens besetzen Bildersturm stilistisch Pate. Aber das hier - das soll ihm bitteschön erst einmal einer nachmachen.

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