„Eine große Zivi­li­sa­tion kann erst von außen erobert wer­den, wenn sie sich von innen bereits selbst zer­stört hat.“ Der Aus­spruch des ame­ri­ka­ni­schen Phi­lo­so­phen Will Durant trifft auch den Nie­der­gang einer der ältes­ten Hoch­kul­tu­ren, das Volk der Maya. Für sei­nen drei­fach „Oscar“-nominierten „Apo­ca­lypto“ (Con­stan­tin Film) reist Mel Gib­son 600 Jahre in der Zeit zurück, zeigt deren letzte Tage vor Ein­fal­len der spa­ni­schen Kon­quis­ta­do­ren; und stellte damit die Aca­demy bei der dies­jäh­ri­gen Ver­lei­hung vor eine zwie­späl­tige Entscheidung.

Sexis­ti­sche wie anti­se­mi­ti­sche Sprü­che unter Alko­hol — Gib­sons Popu­la­ri­tät hat 2006 ihren Tief­punkt erreicht. Und aus­ge­rech­net jetzt pro­du­ziert der Regie-​​Monomane sei­nen außer­ge­wöhn­lichs­ten Film. Die his­to­ri­sche Fleiß­ar­beit besticht durch wun­der­bare Kos­tüme und aus­ge­fal­le­nen Kör­per­schmuck, impo­sante Sets mit nach­ge­bau­ten Tem­peln sowie einem vom Macher bekräf­tig­ten (aber von der Wis­sen­schaft als Zerr­bild kri­ti­sier­ten) Wil­len zur Authen­ti­zi­tät, wäh­rend Hun­derte Lai­en­schau­spie­ler den letz­ten gän­gi­gen Maya-​​Dialekt Mayat­han spre­chen. Der Zuschauer ist durch­weg auf Unter­ti­tel ange­wie­sen, wenn Jaguar Paw (Rudy Young­blood) und seine Stam­mes­brü­der von einer feind­li­chen Gruppe über­fal­len und ver­schleppt wer­den. Es gelingt ihm noch, Frau und Kind in einer Fels­grube zu ver­ste­cken, dann gerät auch er in die Fänge des sadis­ti­schen Krie­gers Middle Eye (Ger­ardo Taracena).

Satte 133 nicht jugend­freie Minu­ten gönnt sich Gib­son, die im Grunde sehr sim­ple Geschichte von Jaguar Paws Rück­kehr zu erzäh­len. Dabei ver­zich­tet er wie schon im Bibel-​​Martyrium „Die Pas­sion Christi“ nicht auf dras­ti­sche Bil­der, die wen­dige Digi­tal­ka­mera ist jeder­zeit dicht dran am grau­si­gen Gesche­hen und nimmt sogar die Per­spek­tive eines abge­schla­ge­nen Kop­fes ein. Wel­che Obses­sio­nen auch der Antrieb sein mögen — Mel Gib­son ist ein zwar unver­gol­de­tes, aber ein­dring­li­ches His­to­rien­epos schmerz­haf­ter Schön­heit geglückt. Oder wie man es zu Kino­start bei der „Süd­deut­schen“ in ange­mes­sen denk­wür­dige Worte gepackt hat: „Das Kunst­werk kann nichts für sei­nen Schöpfer.“