1. Mai 2007
Spider-Man 3
Comic im Kino, das riecht nach Blockbuster. Und wenn die Vorlage aus dem Hause Marvel stammt und auch noch „Spider-Man“ heißt, darf man durchaus von Berechnung sprechen. Im dritten Teil des Franchise, das bislang über 1,6 Milliarden US-Dollar eingespielt hat, ist erstmals alles drin an Emotion und Effekt, Anspielung und Action. Randvoll geladen hat Sam Raimi seinen „Spider-Man 3″ und kommt doch nicht ins stolpern. Ganz anders ergeht es da seiner Titelfigur im vermeintlichen, aber unerwartet ausgewogenen Finale der Action-Saga.
Vorbei die Zeiten, da der Nerd ein Außenseiterdasein fristen musste, von der Gesellschaft und vor allem seiner Verehrten nicht beachtet wurde. Peter Parker (Tobey Maguire) ist es endlich gelungen, seine Liebe zu Mary Jane (Kirsten Dunst) mit den Pflichten eines Superhelden in Einklang zu bringen, da befällt ihn ein außerirdischer Parasit. Anzug und Seele färben sich schwarz; die dunkle Seite ergreift von Spidey Besitz und fördert die egoistischen Facetten seines Charakters zutage.
Doch nicht genug damit, dass Spider-Man seine persönlichen Dämonen bezwingen muss, ihm Busenfreund Harry Osborn (James Franco) nach wie vor nicht gerade wohlgesonnen ist und Kommilitonin Gwen Stacy (Bryce Dallas Howard) für Missstimmung in der Beziehung sorgt, treten mit Sandman (Thomas Haden Church) und Venom (Topher Grace) auch noch zwei neue Bilderbuchschurken auf den Plan.
Peter vermasselt es; stellt sein (Alter) Ego über alles und verprellt all jene, die ihm wichtig sind. Und hier sind wir ganz nahe dran an der Realität: Wie viele Menschen verleugnen sich selbst, stülpen sich Tag für Tag ihr Kostüm über, setzen sich eine Maske auf, nur um nach außen etwas darzustellen, das anders, das vermeintlich cooler, angemessener und besser sein soll, als sie selbst. Zu kurz gedacht. Wer wider sein Naturell lebt, wird auf Dauer nicht glücklich.
Damit ist am aktuellen Exempel der Erfolg des Großstadtakrobaten auch schon erklärt. Spider-Man, der menschlichste aller Superhelden, ist authentisch — sofern man das von einem Comic-Charakter überhaupt sagen kann. Kein Überwesen, das sich wie Superman oder Batman als Mensch tarnt, sondern ein Superheld wider Willen, ein Alltags-Hero wie du und ich.
Und als sich gegen Ende der Baukran sich durch die Fensterreihen der Hochhausfront fräst, Mensch und Möbel in die Tiefe stürzen, während der Sandman — ein in der Comic-Vorlage eigentlich eher zweitklassiger, dafür filmisch um so effektvollerer Widersacher — drunten mächtig Dreck aufwirbelt und von amerikanischen Panzern ins Visier genommen wird, wäre auch der Bezug zum folgenreichen Septembertag und der aktuellen außenpolitischen US-Lage hergestellt. Persönliches Drama verschmilzt mit gesellschaftlichen Konsequenzen.
Das war nicht immer so. Wo das „Spider-Man“-Sequel noch klare Prioritäten auf die innere Zerrissenheit des Hauptakteurs gesetzt hat, und anstelle der vorherrschenden, von Rivalität, Missgunst und Revanche geprägten Grundthematik der ersten beiden Filme spannt Raimi nun ein 140-minütiges Netz zwischen Materialismus und Humanismus, Vergeltung und Vergebung; greift dabei die von den Vorgängern ausgeworfenen Fäden konsequent auf, passt sie an, wo es Story und Dramaturgie nötig machen, und spinnt sie schließlich in Harmonie zu Ende.
Die Liebsten (wieder-)gewonnen, das Böse bezwungen, denn wie gesagt und entgegen aller vorherrschenden Unvorhersehbarkeit: Superhelden-Abenteuer sind und bleiben berechenbar./span>
