Comic im Kino, das riecht nach Block­bus­ter. Und wenn die Vor­lage aus dem Hause Mar­vel stammt und auch noch „Spider-​​Man“ heißt, darf man durch­aus von Berech­nung spre­chen. Im drit­ten Teil des Fran­chise, das bis­lang über 1,6 Mil­li­ar­den US-​​Dollar ein­ge­spielt hat, ist erst­mals alles drin an Emo­tion und Effekt, Anspie­lung und Action. Rand­voll gela­den hat Sam Raimi sei­nen „Spider-​​Man 3″ und kommt doch nicht ins stol­pern. Ganz anders ergeht es da sei­ner Titel­fi­gur im ver­meint­li­chen, aber uner­war­tet aus­ge­wo­ge­nen Finale der Action-​​Saga.

Vor­bei die Zei­ten, da der Nerd ein Außen­sei­ter­da­sein fris­ten musste, von der Gesell­schaft und vor allem sei­ner Ver­ehr­ten nicht beach­tet wurde. Peter Par­ker (Tobey Maguire) ist es end­lich gelun­gen, seine Liebe zu Mary Jane (Kirs­ten Dunst) mit den Pflich­ten eines Super­hel­den in Ein­klang zu brin­gen, da befällt ihn ein außer­ir­di­scher Para­sit. Anzug und Seele fär­ben sich schwarz; die dunkle Seite ergreift von Spi­dey Besitz und för­dert die ego­is­ti­schen Facet­ten sei­nes Cha­rak­ters zutage.

Doch nicht genug damit, dass Spider-​​Man seine per­sön­li­chen Dämo­nen bezwin­gen muss, ihm Busen­freund Harry Osborn (James Franco) nach wie vor nicht gerade wohl­ge­son­nen ist und Kom­mi­li­to­nin Gwen Stacy (Bryce Dal­las Howard) für Miss­stim­mung in der Bezie­hung sorgt, tre­ten mit Sand­man (Tho­mas Haden Church) und Venom (Topher Grace) auch noch zwei neue Bil­der­buch­schur­ken auf den Plan.

Peter ver­mas­selt es; stellt sein (Alter) Ego über alles und ver­prellt all jene, die ihm wich­tig sind. Und hier sind wir ganz nahe dran an der Rea­li­tät: Wie viele Men­schen ver­leug­nen sich selbst, stül­pen sich Tag für Tag ihr Kos­tüm über, set­zen sich eine Maske auf, nur um nach außen etwas dar­zu­stel­len, das anders, das ver­meint­lich coo­ler, ange­mes­se­ner und bes­ser sein soll, als sie selbst. Zu kurz gedacht. Wer wider sein Natu­rell lebt, wird auf Dauer nicht glücklich.

Damit ist am aktu­el­len Exem­pel der Erfolg des Groß­stadt­akro­ba­ten auch schon erklärt. Spider-​​Man, der mensch­lichste aller Super­hel­den, ist authen­tisch — sofern man das von einem Comic-​​Charakter über­haupt sagen kann. Kein Über­we­sen, das sich wie Super­man oder Bat­man als Mensch tarnt, son­dern ein Super­held wider Wil­len, ein Alltags-​​Hero wie du und ich.

Und als sich gegen Ende der Bau­kran sich durch die Fens­ter­rei­hen der Hoch­haus­front fräst, Mensch und Möbel in die Tiefe stür­zen, wäh­rend der Sand­man — ein in der Comic-​​Vorlage eigent­lich eher zweit­klas­si­ger, dafür fil­misch um so effekt­vol­le­rer Wider­sa­cher — drun­ten mäch­tig Dreck auf­wir­belt und von ame­ri­ka­ni­schen Pan­zern ins Visier genom­men wird, wäre auch der Bezug zum fol­gen­rei­chen Sep­tem­ber­tag und der aktu­el­len außen­po­li­ti­schen US-​​Lage her­ge­stellt. Per­sön­li­ches Drama ver­schmilzt mit gesell­schaft­li­chen Konsequenzen.

Das war nicht immer so. Wo das „Spider-Man“-Sequel noch klare Prio­ri­tä­ten auf die innere Zer­ris­sen­heit des Haupt­ak­teurs gesetzt hat, und anstelle der vor­herr­schen­den, von Riva­li­tät, Miss­gunst und Revan­che gepräg­ten Grund­the­ma­tik der ers­ten bei­den Filme spannt Raimi nun ein 140-​​minütiges Netz zwi­schen Mate­ria­lis­mus und Huma­nis­mus, Ver­gel­tung und Ver­ge­bung; greift dabei die von den Vor­gän­gern aus­ge­wor­fe­nen Fäden kon­se­quent auf, passt sie an, wo es Story und Dra­ma­tur­gie nötig machen, und spinnt sie schließ­lich in Har­mo­nie zu Ende.

Die Liebs­ten (wieder-)gewonnen, das Böse bezwun­gen, denn wie gesagt und ent­ge­gen aller vor­herr­schen­den Unvor­her­seh­bar­keit: Superhelden-​​Abenteuer sind und blei­ben berechenbar./span>