29. Juni 2007
3/1 — Roland Reber Filmreihe
Es ist ein steter Aufeinanderprall von anspruchsvoll-(über-)ambitioniertem Kunstfilm und der bestenfalls semiprofessionellen Umsetzung, die Roland Rebers Werke so besonders wie gewöhnungsbedürftig machen. „24/7 — The Passion Of Life“, sein Kinofilm aus dem Jahr 2006, spaltete Publikum und Kritiker nicht nur ob des Inhalts, sondern auch und vor allem hinsichtlich des filmischen Handwerkszeugs. Dilettantismus oder Avantgarde?
Wer’s mit letzterer Antwort hält, bekommt dieser Sommertage gleich dreifach Nachschub: Dank der DVD-Box „3/1 — Roland Reber Filmreihe“ (WTP International/Develop Vision Design) werden seine jüngeren Langfilme nun auch außerhalb internationaler Festivals gespielt.
Der Psycho-Thriller „Das Zimmer“ (2000/2001), die satirische Komödie „Pentamagica — Alles, was Sie nie über Magie wissen wollten“ (2002/2003) und die Dramödie „The Dark Side Of Our Inner Space“ (2003) haben jeweils eine eigenständige Geschichte; und werden doch durch das gemeinsame Thema der menschlichen Sinnessuche nach sich selbst zu einer übergreifenden Trilogie zusammengefasst.
Da ist Ägyptologie-Studentin Sophie (Mira Gittner) und Schauspieler Christoph (Marcus Grüsser), die sich auf eine Chiffre-Anzeige hin als Hüter eines einsamen Hauses mit verbotenem Raum wieder finden („Das Zimmer“). Während Christiane (Mira Gittner) nebst Krafttier Hildeswin (Wilbur The Pig, das schweinische Maskottchen der WTP) und Sandra (Marina Anna Eich) die Realität durch magische Rituale zu beeinflussen suchen („Pentamagica“), versammeln sich Tanja (Mira Gittner), Jessie (Marina Anna Eich), Anna (Sabine Krappweis), Marcus (Christoph Baumann) und Kai (Manfred Gebauer) in einer ehemaligen Militärkaserne fürs „Große Spiel“ des Lebens („The Dark Side Of Our Inner Space“).
Drei Geschichten, manche Gemeinsamkeit: keine Scheu vorm Dreh mit (finanzierbarem) Digibeta statt teurem 35mm-Film; Script-In-Progress anstelle eines fertigen Drehbuchs; theatergleich arrangierte und inszeniert wirkende, oft lang stehende Einstellungen; kammerspielhafte Dialoge; nackte Haut und jede Menge Emotionen, die beim erprobten (Bühnen-)Regisseur Reber immer mit einer verklärt-ästhetischen Darstellung von Sexualität einhergehen; und nicht nur ob der visuellen Effektspielereien hinterlassen seine Filme durchweg einen surrealen, abstrakten, ja einen bizarren und mitunter sehr verstörenden Eindruck beim Zuschauer.
Dilettantismus oder doch Avantgarde? Die Wahrheit liegt nach summa summarum 312 weiteren Minuten Reber erst recht und wie so oft im Auge des Betrachters. Der Filmphilosoph und seine aus „24/7″ bekannten Kolleginnen Mira Gittner und Marina Anna Eich gehen konsequent den komplizierten Weg. Sie liefern Fragen, keine Antworten.
