Es ist ein ste­ter Auf­ein­an­der­prall von anspruchsvoll-(über-)ambitioniertem Kunst­film und der bes­ten­falls semi­pro­fes­sio­nel­len Umset­zung, die Roland Rebers Werke so beson­ders wie gewöh­nungs­be­dürf­tig machen. „24/​7 — The Pas­sion Of Life“, sein Kino­film aus dem Jahr 2006, spal­tete Publi­kum und Kri­ti­ker nicht nur ob des Inhalts, son­dern auch und vor allem hin­sicht­lich des fil­mi­schen Hand­werks­zeugs. Dilet­tan­tis­mus oder Avantgarde?

Wer’s mit letz­te­rer Ant­wort hält, bekommt die­ser Som­mer­tage gleich drei­fach Nach­schub: Dank der DVD-​​Box „3/​1 — Roland Reber Film­reihe“ (WTP Inter­na­tio­nal/​Deve­lop Vision Design) wer­den seine jün­ge­ren Lang­filme nun auch außer­halb inter­na­tio­na­ler Fes­ti­vals gespielt.

Der Psycho-​​Thriller „Das Zim­mer“ (2000/​2001), die sati­ri­sche Komö­die „Penta­ma­gica — Alles, was Sie nie über Magie wis­sen woll­ten“ (2002/​2003) und die Dramö­die „The Dark Side Of Our Inner Space“ (2003) haben jeweils eine eigen­stän­dige Geschichte; und wer­den doch durch das gemein­same Thema der mensch­li­chen Sin­nes­su­che nach sich selbst zu einer über­grei­fen­den Tri­lo­gie zusammengefasst.

Da ist Ägyptologie-​​Studentin Sophie (Mira Gitt­ner) und Schau­spie­ler Chris­toph (Mar­cus Grüs­ser), die sich auf eine Chiffre-​​Anzeige hin als Hüter eines ein­sa­men Hau­ses mit ver­bo­te­nem Raum wie­der fin­den („Das Zim­mer“). Wäh­rend Chris­tiane (Mira Gitt­ner) nebst Kraft­tier Hil­des­win (Wil­bur The Pig, das schwei­ni­sche Mas­kott­chen der WTP) und San­dra (Marina Anna Eich) die Rea­li­tät durch magi­sche Rituale zu beein­flus­sen suchen („Penta­ma­gica“), ver­sam­meln sich Tanja (Mira Gitt­ner), Jes­sie (Marina Anna Eich), Anna (Sabine Krapp­weis), Mar­cus (Chris­toph Bau­mann) und Kai (Man­fred Gebauer) in einer ehe­ma­li­gen Mili­tär­ka­serne fürs „Große Spiel“ des Lebens („The Dark Side Of Our Inner Space“).

Drei Geschich­ten, man­che Gemein­sam­keit: keine Scheu vorm Dreh mit (finan­zier­ba­rem) Digi­beta statt teu­rem 35mm-​​Film; Script-​​In-​​Progress anstelle eines fer­ti­gen Dreh­buchs; thea­ter­gleich arran­gierte und insze­niert wir­kende, oft lang ste­hende Ein­stel­lun­gen; kam­mer­spiel­hafte Dia­loge; nackte Haut und jede Menge Emo­tio­nen, die beim erprob­ten (Bühnen-)Regisseur Reber immer mit einer verklärt-​​ästhetischen Dar­stel­lung von Sexua­li­tät ein­her­ge­hen; und nicht nur ob der visu­el­len Effekt­spie­le­reien hin­ter­las­sen seine Filme durch­weg einen sur­rea­len, abs­trak­ten, ja einen bizar­ren und mit­un­ter sehr ver­stö­ren­den Ein­druck beim Zuschauer.

Dilet­tan­tis­mus oder doch Avant­garde? Die Wahr­heit liegt nach summa sum­ma­rum 312 wei­te­ren Minu­ten Reber erst recht und wie so oft im Auge des Betrach­ters. Der Film­phi­lo­soph und seine aus „24/​7″ bekann­ten Kol­le­gin­nen Mira Gitt­ner und Marina Anna Eich gehen kon­se­quent den kom­pli­zier­ten Weg. Sie lie­fern Fra­gen, keine Antworten.