Rien ne vas plus? Hollywood beweist uns Woche für Woche das Gegenteil. Sequel folgt auf Sequel und wenn irgendwann gar nichts mehr geht, wird die Geschichte ganz einfach von vorne aufgerollt. Dass es dabei keineswegs immer besser werden muss, darf der Zuschauer derzeit etwa bei den „Pirates Of The Caribbean“ sehen, die mit umbetiteltem Teil drei beflaggt in jeder Hinsicht „Am Ende der Welt“ gestrandet sind. Nun gibt es aber Ausnahmen. Lobenswerte. Den „Spider-Man“ etwa. Oder der Abschluss von Steven Soderberghs Trilogie um Danny Oceans Gaunerbande.

Nachdem man zuletzt auf Eurotrip wertvolle Antiquitäten mitgehen ließ und mit einem Übermaß an Verspieltheit und Selbstreferenzen aufs Filmbiz das Publikum langweilte, ist das Team in „Ocean’s Thirteen“ also endlich wieder im Mekka der Zocker zurück: Las Vegas, gleichfalls Schauplatz des überaus feinen ersten Teils; und findet zurück zu alter Form.

Diesmal verrechnet sich Casino-Betreiber und Hotel-Mogul Willy Bank (Al Pacino). Der haut Oceans (George Clooney) Freund und Mentor Reuben Tishkoff (Elliott Gould) übers Ohr; scheißt drauf, dass beide schon Sinatras Hand geschüttelt haben und befördert Reuben damit schnurstracks mit Herzattacke auf Intensiv.

Doch Rache ist Blutwurst: Gemeinsam mit einem bekannten Überläufer (Andy Garcia) und Banks gut erhaltenem blondem Bömbchen (Ellen Barkin als personifizierter Rubbeltraum für Männer und solche, die’s werden wollen) machen sich die nunmehr Thirteen um Rusty (Brad Pitt), Linus (Matt Damon) und die übrigen Spießgesellen an den Coup der Coups. Sie wollen es Bank heimzahlen. Mit zweifachem Ziel: Ein Anschlag auf Ego und Einnahmen.

Die waren es auch schon 2001 und hier sind wir beim Knackpunkt des dritten Bruchs: Soderbergh setzt zwar noch mal einen drauf, das computergenerierte Casino noch imposanter, die Verkleidungen aberwitziger, die Tricks und Täuschungen gigantomanisch. Und doch kann er sein Original nicht toppen. Ein Grund: Pacino. Gut gebräunt und adrett zurechtgefönt fehlt dessen Spiel die letzte Boshaftigkeit, die er etwa mit seiner diabolischen Rolle des John Milton in „Im Auftrag des Teufels“ verkörpert hat. Und nun verkaufen ihm Soderbergh und Produzent Jerry Weintraub auch noch seinen weitaus fieseren, arroganteren Vorgänger Garcia als Widersacher; und man fragt sich, warum ein Terry Benedict mit diesem vermeintlichen Leichtgewicht eines Schurken nicht selbst fertig wird.

Obwohl „Ocean’s Thirteen“ vor Szenen, Sprüchen und Bildarrangements nur so strotzt, fällt dieses Manko mehr ins Gewicht, als es müsste. Denn Soderbergh nimmt sich wieder Zeit. So sieht es das Konzept nun einmal vor. Ein Konzept, das ein bisschen an den „Domino-Day“ erinnert: Anderthalb Stunden lang wird aufgebaut, Lunten gelegt. Und schließlich, erst gegen Ende des Schauspiels, gezündet. Ab dafür und der zwote. Denn schade ist, dass man mittlerweile längst ahnt, ja weiß: Es wird funktionieren. Diese Saboteure sabotieren so sicher, wie der Bäcker des Morgens seine Brötchen backt.

Der Fehlschlag bleibt natürlich aus, selbst eine überraschende Wendung im positiven Sinn, der letzte unerwartete Clou am Ende, mit dem Danny Ocean noch vor sechs Jahren seine diesmal schmerzlich vermisste Tess auf die gute Seite zurückgeholt hat. Dafür bekommt der von Vincent Cassel gespielte französische Meisterdieb einen Gastauftritt und sorgt damit für einen netten Querverweis zum zweiten Teil.

Auch wenn eigentlich nie so recht klar wird, wer die 13 Spießgesellen denn nun sind, hat man trotz aller Spannungsarmut zu unterhalten gewusst. Es macht einfach Freude, einem wie Clooney bei der Arbeit zuzusehen; wie er es schafft, mit einem einzigen Augenroller eben mal klar zu machen, dass er einer der Größten in diesem Metier ist. Da ist jede Menge Selbstdarstellung im Spiel, keine Frage, und auch ein Brad Pitt weiß mit dieser Plattform etwas anzufangen. Wussten andere vor ihnen auch, Sinatra, Sammy Davis Jr. wie Dean Martin. Was will man also mehr von einem Re-Remake?

Den daraus resultierende Nummernrevue-Charakter und die übrigen kleinen Sequel-Schwächen vernachlässigt, zieht der einstige Held des amerikanischen Independent-Kinos mit „Ocean’s Thirteen“ das noch fehlende Trumpfass der Reihe; nein Soderbergh zieht es nicht, er schüttelt es geradezu über 122 Minuten aus dem Ärmel. Cool, lässig, wahnwitzig, unaufgeregt. Und nimmt man seine Trilogie als Ganzes, liegt der Royal Flush auf dem Tisch. Das Spiel ist gewonnen, die Strategie ausgereizt. Hier geht nicht mehr.