19. Juli 2007
Death Proof — Todsicher
Es geht um Autos. Es geht um Frauen, um Quentin Tarantino und um den narbengesichtigen Stuntman Mike (Kurt Russell), der sich einen Spaß daraus macht, jungen, zugedröhnten Mädels unter Aufwand sämtlicher Charmeregister und mit Hilfe seines aufgemotzten, pferdestärkenstrotzenden Muscle-Cars genüsslich den Garaus zu machen.
Nachdem der Draufgänger in Harakiri-Manier die Girlfriends Jungle Julia (Sydney Poitier), Butterfly (Vanessa Ferlito) und Shanna (Jordan Ladd) zu Brei gefahren und seinen eigenen Knochen Regeneration von dem Frontal-Crash gegönnt hat, liegt Mike wieder auf der Lauer und schiebt ein Schauspielerquartett auf Drehpause (Rosario Dawson, Mary Elizabeth Winstead, Tracie Thoms und Uma Thurmans „Kill Bill“-Stuntdouble Zoe Bell) von der Straße. Doch die taffen Ladys sind schon bald wieder in der Spur und machen Jagd auf ihren Jäger.
Eigentlich sollte „Death Proof neben der futuristischen Zombiejagd „Planet Terror“ von Tarantino-Busenfreund Robert Rodriguez Teil des als Double-Feature konzipierten Dreistünders „Grindhouse“ werden. Da nach Meinung des Ausführenden Produzenten Harvey Weinstein mit dem Phänomen der Doppel– und Dreifachvorführungen kruder Genrefilme in schäbigen US-Seitenstraßenkinos außerhalb Amerikas kein Staat zu machen ist, tingeln wir nun zweifach an die Kasse.
Todsicher ist „Death Proof“ Tarantinos schlechtester Film. Too Little — es geht um zu wenig. Und doch ist er ganz und gar nicht schlecht. Stets schwankend zwischen gelungener Hommage an die billigen, unfertigen B-Movies der 70er und sinnentleertem Trash, erfreuen wir uns an fleddrigen Dialogen, gut gemeinten Selbstzitaten, Gewalt und Splatter.
Den dabei durchaus möglichen optischen Schliff von „Kill Bill“, den inhaltlichen Schick von „Reservoir Dogs“, „Pulp Fiction“ oder „Jackie Brown“ verweigert Tarantino, setzt sich als Barkeeper lieber selbst ins Bild und verkündet eine 114 Minuten lange, läppische Botschaft: Nur kucken, nicht anfassen! Darum geht’s. Nichts weiter.
