3. August 2007

Das wilde Leben

Mit Talen­ten geseg­net sind zu die­ser Zeit andere. Uschi Ober­maier beschränkt sich aufs gute Aus­se­hen — und wird doch zur Ikone. Das 68er-​​Sexsymbol ist nicht nur mit­ten­drin im „Wil­den Leben“ (War­ner Home Video), son­dern über­all dabei. Jeden­falls so lange es ihr passt. Debü­tant Achim Born­hak ver­filmte die ihren Erin­ne­run­gen frei nach­emp­fun­dene Lebens­ge­schichte und brachte mit sei­ner Haupt­dar­stel­le­rin Nata­lia Ave­lon auch gleich ein neues Stern­chen zum Leuchten.

Die Macher haben erkannt, dass die Essenz der Ober­maier schlicht und hedo­nis­tisch ist; mühen sich erst gar nicht, aus der Figur mehr zu machen, als sie war. Und die linke Bewe­gung um die Ber­li­ner Kom­mune 1 und Gespiele Rai­ner Lang­hans (Mat­thias Schweig­hö­fer) wird auch gleich mit­ent­zau­bert, große Worte wie Ideale der Ära amü­sant als prä­ten­tiö­ses Getue entlarvt.

Das Gedächt­nis hat des Wei­te­ren einige (gewollte?) Lücken, Uschis Auf­stieg zum begehr­ten Cover­girl, ihre Affä­ren mit den Super­stars — dar­un­ter die Rol­ling Sto­nes Mick Jag­ger (Vic­tor Norén) und Keith Richards (Alex­an­der Scheer) — bekom­men frei­lich auch im Film gebüh­ren­den Platz. Als der afri­kaer­fah­rene Aben­teu­rer Die­ter Bock­horn (David Schel­ler), zugleich Herr­scher über ein Milieu, in dem Frauen nur nach ihrem Stun­den­satz bewer­tet wer­den, in ihr Leben tritt und man etli­che Jahre durch Asien, Ame­rika und Mexiko vaga­bun­diert, bekommt das Bio­pic zwar seine Län­gen, wird des­halb aber kei­nes­wegs langweilig.

Das liegt ein­mal am aus­ge­wo­ge­nen Pen­deln zwi­schen authen­ti­schem Por­trät und sanf­ter Par­odie, ande­rer­seits an der in Ett­lin­gen her­an­ge­reif­ten Nata­lia Ave­lon, die ihre Sache nicht nur schau­spie­le­risch durch­aus meis­tert, son­dern gefühlte Drei­vier­tel des Films die pral­len Run­dun­gen unver­hüllt in die Kamera stre­cken darf. Mehr hat ihre Vor­lage lei­der nicht zu bie­ten und damit bleibt’s nach 114 Minu­ten bei aller augen­schein­li­chen Irre­le­vanz einer Frau und ihrer Lebens­ge­schichte ganz Ober­maier: Ein­fach eine gute Zeit!