27. August 2007
Freigespielt
„Die Tiefen waren tiefer als die Höhen hoch.“ Sagt Mehmet Scholl selbst im Rückblick auf seine 17 Profifußballerjahre. Die lässt er unter Regie von Ferdinand Neumayr und Eduard Augustin in „Freigespielt“ (Senator Home Entertainment) für sich und uns vorüberziehen. 48 Stunden bis zum finalen Abpfiff am 19. Mai 2007 — der passgenaue Rahmen dafür. Europameister war er, Champions-League– und Weltpokal-Sieger; einer, der den UEFA-Cup ebenso in Händen gehalten hat wie mehrfach Meisterschale und DFB-Pokal. Und doch nennen sie den Karlsruher bis heute liebevoll Scholli.
Weil er einer der letzten Straßenkicker der Bundesliga war, weil ihn selbst der größte Bayern-Verächter ob seiner spielerischen Genialität verehrt hat. Bewundert haben’s ihn alle, aber eben auch verniedlicht. Zum ganz Großen hat es dem Siebener nie gereicht; zu oft zu schwer zu lang verletzt, die Geschichte eines tragischen Helden. Und schon deshalb ist seine Karriere klassischer, perfekter Filmstoff.
„Lieber ewiges Talent als gar kein Talent.“ Kontert Scholl, der mit diesem wehmütigen Gänsehaut-Porträt auch zeigt, dass sein Wesen über frech und unbekümmert sehr wohl hinausreicht. Zwischen früher Naivität und später Reflexivität bewegt sich der verschmitzt-(selbst-)kritische Nachruf auf einen Individualisten, den wir fortan missen müssen — auch abseits des Rasens. Servus Mehmet. Wiederschaun.
