20. September 2007
Disturbia
Ein Film mit Gewicht ist D.J. Carusos Variation des Voyeurismus-Klassikers „Das Fenster zum Hof“ sicher nicht. „Disturbia“ deswegen mit dem Etikett „Psycho-Thriller“ zu bewerben, trifft die Sache aber nur zum Teil. Dafür lässt man sich ungewöhnlich viel Zeit, eine nachvollziehbare und sich stetig entwickelnde Teenager-Geschichte um den vom Tod des Vaters traumatisierten Kale (mit charismatischem Spiel: Shia LaBeouf) aufzubauen.
Weil er seinem Spanischlehrer auf die Nase gehauen hat, beschränkt die kommenden Wochen eine richterlich verordnete elektronische Fußfessel seinen Bewegungsradius. Die Konsolen-Games von Muttern (Carrie-Anne Moss) konfisziert, das Kabel-TV gekappt — da greift Kale aus schierer Langeweile zum Fernglas und findet nicht nur Gefallen an der Optik von Nachbarstochter Ahsley (Sarah Roemer); seine Beobachtungen legen für ihn den Schluss nahe, dass Mr. Turner (David Morse) von nebenan die ein oder andere Leiche im Keller haben muss.
Lange Zeit ist unklar, ob er sich mit dieser Mutmaßung in einer ausgewachsenen Paranoia verfängt oder wirklich richtig liegt. Und das stete Untermengen einer herzigen Teenager-Story, der Bruch mit der Erwartung, lässt einen gleichfalls verstörten Zuschauer unschlüssig zwischen den Genres schwanken.
Ganz gemächlich werden wir vertraut mit Kales eingeengter Welt, verdeutlicht auch durch das amüsante Ausmessen seines Handlungsspielraums, bevor der Sensor bei der Polizei Alarm schlägt. Ein Plotelement, das von den Drehbuchautoren mehrmals sehr clever und effektiv eingesetzt wird. Spät zieht die Spannungsschraube an und kann die angepriesenen Genregrenzen doch nicht aufbrechen. Aber mit der richtigen Gewichtung im Vorfeld geht hier so einiges.
