3. September 2007
Fast Food Nation
„Wer es unmittelbar danach schafft, einen Viertelpfünder ohne Würgreflex zu verdrücken, dem gebührt der Ronald-McDonald-Orden für abgebrühtes Kulturironikertum.“ So lobpreiste die „Süddeutsche“ Richard Linklaters Abrechung mit der amerikanischen Schnellimbiss-Industrie. Ein gefundenes Fressen für jede PR-Abteilung. Im Gegensatz zu Morgan Spurlock, der sich aus Forscherdrang in seiner weitaus unterhaltsameren wie schockierenderen Doku „Super Size Me“ einen Monat ausschließlich bei McDonald’s ernährt, arbeitet Linklater für „Fast Food Nation“ (Senator Home Entertainment) die unter gleichem Titel erschienene Bestseller-Reportage des Journalisten Eric Schlosser in ein Episodendrama über Menschen im Milieu um; und gewinnt für sein Anliegen Größen wie Kris Kristofferson, Bruce Willis, Ethan Hawke und Avril Lavigne.
Nach der übelkeitserregenden Erkenntnis, dass Kolibakterien („Es ist Scheiße in unserem Fleisch, Don!“) die Kampagne um den Verkaufsschlager „The Big One“ gefährden, inspiziert Don Henderson (Greg Kinnear), Marketingchef einer Burger-Kette, die Produktionsanlagen in Texas — und kommt zu der für den halbwegs informierten Konsumenten nicht ganz neuen Erkenntnis, dass Fast Food ein im wahrsten Sinne schmutziges Geschäft ist: Die von seinem Arbeitgeber nicht nur gebilligten illegalen Immigranten und brutalen Schlachtmethoden verändern kurzzeitig seinen Blick auf die Dinge. Dann geht’s ihm wie allen Kulturironikern: Nie wieder! Bis zum nächsten Mahl.
