6. September 2007
La vie en rose
Wäre „La vie en rose“ (Constantin Film/Highlight) ein amerikanisches Movie, Marion Cotillard hätte den Champagner für ihre Fête des „Oscars“ wohl schon nach Drehschluss kaltstellen können. So aber bewirbt sich die Produktion aus Frankreich wohl nur für eine „Meilleure actrice“ beim „César“, dem nationalen Filmpreis. Dass es für mehr auch in der Theorie nicht reicht, liegt vor allem an ihrem Regisseur und Autor Olivier Dahan, welcher mit der Chanteuse durchweg, aber immer weniger nachvollziehbar durch die Zeit reist.
Folgt die sprunghafte Erzählstruktur zwischen Edith Piafs schwerer Kindheit mit Aufzucht zwischen Puff und Gosse und ihren nicht minder schweren, von Krankheit bestimmten letzten Lebensjahren zu Anfang des Films noch einer gewissen Logik, zerstückelt Dahan die 140 Minuten zusehends. Dass sein Publikum trotzdem bis zum Finis gebannt zusieht und –hört, wenn 47 zumeist tragische Lebensjahre Revue passieren, liegt neben der erlesenen Kameraarbeit und den stimmungsvollen Kostümen an Hauptdarstellerin Marion Cotillard. Sie mimt die Édith Giovanna Gassion, den nur 1,42 Meter kleinen Spatz von Paris, ihre überzogenen Manierismen authentisch, perfekt.
Dass in Dahans Porträt-Puzzle so manches Teilchen fehlt, fällt nicht ins Gewicht. Die wesentlichen Wendepunkte kommen allesamt vor; von der Entdeckung durch Nachtclubbesitzer Louis Leplée (Gérard Depardieu), den Tod von Tochter Marcelle, die unerfüllte Liaison mit Box-Weltmeister Marcel Cerdan (Jean-Pierre Martins) und andere Romanzen, Alkoholexzesse, ihre maßgeblichen und verehrten Chansons, der Zusammenbruch auf offener Bühne, die wehmütigen Sterbebettstunden des 11. Oktober 1963, bis hin zum überwältigenden Höhepunkt, als La Môme Piaf von ihrer Leberzirrhose gezeichnet jenen letzten großen Erfolg trällert, der nicht nur als Epitaph weltberühmt geworden ist: „Non, je ne regrette rien.“ Auch wir nicht, ungeachtet der Art der Präsentation. Alors, merci Marion — formidable!
