7. September 2007

Tapete 100

Tapete 100Unab­hän­gig sein ist toll, aber sicher nicht immer ange­nehm. Schon gar nicht als Plat­ten­la­bel, und allein die Bezeich­nung Major hat ja dage­gen schon etwas sehr Bedroh­li­ches. Schön, wenn dann einer aus der Independent-​​Ecke Grund zu fei­ern hat. Aber was heißt hier irgendeiner!

Seit ihrer Grün­dung im Jahr 2002 hat Tapete Records — in Per­sona Gun­ther Bus­kies und Dirk Darm­sta­ed­ter — 100 Ver­öf­fent­li­chun­gen auf ihrem Spiel­zeug vor­zu­wei­sen, das so neu gar nicht mehr ist. Zeit also für des Indie-​​Labels „Best Of The Best“-Zwischenbilanz: „Tapete 100″ (Tapete Records/​Indigo). Kon­zen­trierte man sich in den Anfangs­ta­gen auf Deutschpop-​​Bands im Erd­mö­bel–Stil, betreut das Label seit 2005 auch Grup­pen aus den Staa­ten, Kanada oder Skan­di­na­vien, wie etwa die Schwe­den The Hor­ror The Hor­ror.

Und die Indie-​​Pop-​​Rocker aus Stock­holm eröff­nen die große Label­party über zwei prop­pe­volle Schei­ben mit „Sound Of Sirens“. So mögen’s musi­ka­lisch gese­hen auch die Frei­bur­ger Geschmeido beim Track „Möven (als Deko)“. Die teil­ten sich mit den (als eine der ganz weni­gen) zwi­schen­zeit­lich abge­wan­der­ten Tele ihren Schlag­zeu­ger, der folg­lich auch bei „Now Now Now“ die Felle streichelt.

Samba („Küss mich für immer“), Wolke („Wir sind da“), Niels Fre­vert („Selt­sam öffne mich“), etwas elek­tro­ni­scher Kai-​​Uwe Kolk­horst („Ein­zel­kämp­fer“) und eben Erd­mö­bel („Für die nicht wis­sen wie“) — damit ist die neu­deut­sche Indie-​​Pop-​​Einrichtung auf Tapete denn auch fast voll­stän­dig. Nur einer fehlt noch…

Genau und hallo — wer kennt hier eigent­lich Anajo nicht? Das klasse Gitarrenpo-​​Trio aus Augs­burg klebt mit „Streu­ner“ die letzte Wand. Die paar Bah­nen mit unauf­ge­reg­tem Mus­ter zie­ren schließ­lich der trau­rige Salim Nou­ral­lah („Mon­treal“), The Ele­phants aus Däne­mark („Obvious“), Map­le­wood („Morning Star“), Tess Wileys fra­gi­les „Raise Your Hand“ oder „Who Left The Lights On?“ von Josh Ottum und natür­lich Label­chef Dirk Darm­sta­ed­ter mit „We Are The Waves“.

Zu die­ser wirk­lich gut aus­sor­tie­ren Werk­schau gibt’s auf der Bonus-​​CD Cover­ver­sio­nen von Tapete-​​Bands, die Tapete-​​Bands covern: Mis­souri klin­gen nach Crash Tokio, Down­pi­lot aus Seat­tle nach Ham­burgs Niels Fre­vert und Hidalgo schwe­ben auf Wolke.

Mit die­sem Inte­ri­eur, das übri­gens ganz logisch zu Ende gedacht die Kata­lo­gnum­mer „tr100“ tra­gen muss, trotzt also eine wei­tere Ham­bur­ger Musik­firma dem (Ramsch-)Sortiment von Sony, Uni­ver­sal, EMI und War­ner. Schön. Aber noch ange­neh­mer ist doch, ein­mal herz­lich unge­zwun­gen „Glück­wunsch dazu!“ sagen zu dür­fen. Zu fünf Jah­ren, 1.000 Songs und 30 tol­len Künst­lern. Ohne die übli­che Heu­che­lei, ein­fach frei raus.