19. Oktober 2007
A Boy’s Tale — „It’ll Soon Be Summer“
Ein-Mann-Kapellen haben von sich aus schon mal gewissen Schauwert. Wie Dominik Reismann, Kopf und Name hinter dem Solo-Rock-Projekt A Boy's Tale allerdings zugleich seine E-Klampfe bearbeitet, während er an der anderen Hand Synthi-Drums und mehrstimmigen Gesang via Laptop anweist, wäre denn wohl mehr Karikatur eines Schaffens, das in erster Linie gehört werden will.
"Time 'til Twenty" hieß 2006 das Solo-Rock-Debüt, Alliteration und Resümee auf einen Lebensabschnitt gleichermaßen, "It'll Soon Be Summer" ist die aktuelle Fortsetzung der Eigenproduktion. Und los geht's, wie es im besten Falle schließen sollte; mit einer songgefassten Überblende vom Happy End zum Abspann. "Call At Home“, bekannt von der KSC-Stadionplaylist, ist eine von diesen definitiven Gute-Laune-Schlaggitarren-Nummern, die ganz laut „Ja!“ schreien, sich aber nicht so recht entscheiden wollen, ob sie lieber Pop oder eher Rock sein möchten. Eine ohrwurmige Ungewissheit, der Rapper Colossus MC, Gewinner des „Fest“-Rap-Battle, mit seinen deutschen Reimen den Rest Hit verpasst.
Verschmust setzen wir denn über nach „Hawaii“, schnitzen mit „Wherever I Am“ nochmals ein kitschiges Herz in die Palmen, bevor es beim Piano-gestützten „Go Forward“ wieder richtig gut werden darf. Dazu holt sich Reismann zweihändige Hilfe beim alten Schulfreund Joachim Nagel. In Balladen verschiffte Alltagsprobleme haben’s ihm angetan; und uns „The Boat Called Life“. Weitermachen! Das ist auch hier die schlichte Message eines tollen Tracks, der vom ruhigen Gewässer in einen Gitarrensturm schippert. Und dann klärt’s auf.
So funktioniert auch „Forgotten“, das anfangs noch eine Ladung Depeche Mode an Bord nimmt, bis es nur noch so elektroblitzt. Ganz selten wird Reismann belanglos balladig; und wenn doch, dann hat er seine Songs nicht nur wieder vielschichtig komponiert und arrangiert, sondern auch intelligent platziert: Auf „Ocean And Sky“ folgt knalliger Rock und schon sind wir wieder „Addicted“ nach einem Album, das in Sachen Songwriting, Melodien, Rhythmuswecheln, über die satte Rockstimme bis zum nötigen Bombast außergewöhnlich ist.
Derzeit ruht das Solo-Projekt aus Silent-K. Dominik Reismann, Keyboarder Joachim Nagel, Viktor Kessler (Schlagzeug) und Sven Rink (Bass) bilden seit kurzem die neue Formation Kinetic Energy. Denn gerade als Musiker will man sich eben auch mal sehen lassen.
