A Boy's Tale - "It'll Soon Be Summer"Ein-​​Mann-​​Kapellen haben von sich aus schon mal gewis­sen Schau­wert. Wie Domi­nik Reis­mann, Kopf und Name hin­ter dem Solo-​​Rock-​​Projekt A Boy’s Tale aller­dings zugleich seine E-​​Klampfe bear­bei­tet, wäh­rend er an der ande­ren Hand Synthi-​​Drums und mehr­stim­mi­gen Gesang via Lap­top anweist, wäre denn wohl mehr Kari­ka­tur eines Schaf­fens, das in ers­ter Linie gehört wer­den will.

„Time ’til Twenty“ hieß 2006 das Solo-​​Rock-​​Debüt, Alli­te­ra­tion und Resü­mee auf einen Lebens­ab­schnitt glei­cher­ma­ßen, „It’ll Soon Be Sum­mer“ ist die aktu­elle Fort­set­zung der Eigen­pro­duk­tion. Und los geht’s, wie es im bes­ten Falle schlie­ßen sollte; mit einer song­ge­fass­ten Über­blende vom Happy End zum Abspann. „Call At Home“, bekannt von der KSC-​​Stadionplaylist, ist eine von die­sen defi­ni­ti­ven Gute-​​Laune-​​Schlaggitarren-​​Nummern, die ganz laut „Ja!“ schreien, sich aber nicht so recht ent­schei­den wol­len, ob sie lie­ber Pop oder eher Rock sein möch­ten. Eine ohr­wur­mige Unge­wiss­heit, der Rap­per Colos­sus MC, Gewin­ner des „Fest“-Rap-Battle, mit sei­nen deut­schen Rei­men den Rest Hit verpasst.

Ver­schmust set­zen wir denn über nach „Hawaii“, schnit­zen mit „Whe­re­ver I Am“ noch­mals ein kit­schi­ges Herz in die Pal­men, bevor es beim Piano-​​gestützten „Go For­ward“ wie­der rich­tig gut wer­den darf. Dazu holt sich Reis­mann zwei­hän­dige Hilfe beim alten Schul­freund Joa­chim Nagel. In Bal­la­den ver­schiffte All­tags­pro­bleme haben’s ihm ange­tan; und uns „The Boat Cal­led Life“. Wei­ter­ma­chen! Das ist auch hier die schlichte Mes­sage eines tol­len Tracks, der vom ruhi­gen Gewäs­ser in einen Gitar­ren­sturm schip­pert. Und dann klärt’s auf.

So funk­tio­niert auch „For­got­ten“, das anfangs noch eine Ladung Depe­che Mode an Bord nimmt, bis es nur noch so elek­tro­blitzt. Ganz sel­ten wird Reis­mann belang­los bal­la­dig; und wenn doch, dann hat er seine Songs nicht nur wie­der viel­schich­tig kom­po­niert und arran­giert, son­dern auch intel­li­gent plat­ziert: Auf „Ocean And Sky“ folgt knal­li­ger Rock und schon sind wir wie­der „Addic­ted“ nach einem Album, das in Sachen Song­wri­t­ing, Melo­dien, Rhyth­mus­we­cheln, über die satte Rock­stimme bis zum nöti­gen Bom­bast außer­ge­wöhn­lich ist.

Der­zeit ruht das Solo-​​Projekt aus Silent-​​K. Domi­nik Reis­mann, Key­boar­der Joa­chim Nagel, Vik­tor Kess­ler (Schlag­zeug) und Sven Rink (Bass) bil­den seit kur­zem die neue For­ma­tion Kine­tic Energy. Denn gerade als Musi­ker will man sich eben auch mal sehen lassen.