26. Oktober 2007
The BossHoss — „Stallion Battalion“
„Hey Ya“ in „Yee Haw“; und was Outkasts Hit widerfahren ist, sollte vor Künstlern wie Eminem, den Beastie Boys, Billy Idol, Elvis Presley, Beck, Plastic Bertrand oder den White Stripes nicht scheu machen. Cover-Country, aber cool! Anstelle der „Seven Nation Army“ trommeln die zwei Großstadtcowboys von The BossHoss auf ihren Neuling das „Stallion Battalion“ (Island/Universal) zusammen; und diesmal präsentiert man erstmals überwiegend Material aus eigenem Gestüt.
Fans erster Stunde konnte sich ja schon auf „Rodeo Radio“ langsam umgewöhnen, denn das zweite Album der Frontmannen Alec „Boss Burns“ Völkel und Sascha „Hoss Power“ Vollmer bot viel Selbstkomponiertes; jetzt sind zehn von 14 aus dem Hause Hoss. Und der Opener steigt gleich kräftig Sporen: Schier abgeworfen wird der Hörer bei „Stallion Battalion“, knallige Punk-Rock(abilly)-Härte, hook– und hitverdächtig! Als „Country-Trash-Punk-Rock“ haben die glorreichen Sieben ihren Sound schon immer bezeichnet, jetzt wissen wir also, wie das in Reinform klingt.
Überhaupt gehen die ersten drei Rock ‚n’ Rodeo-Plätze an selbige Album-Nummern; auch, wenn Silber und Bronze einen Schritt nach oben respektive nach unten tun müssen. An zweiter Stelle: Das wörtlich zu nehmende „Shake & Shout“, ein wilder Ritt durch die Musikprärie, der durch Hammondorgel ordentlich 70er-Flair sattelt und beim Chorus so richtig losgaloppiert. Hinterher trabt das „Monkey Business“, eine durch und durch lässige Country-Nummer aufs Musikgeschäft samt Klischee-Mundharmonika-Begleitung.
So klasse sich dieser Dreier zu Beginn präsentiert, die übrigen Züchtungen von Sascha Vollmer kommen trotz prachtvollen Ausreißern wie dem stalbenden „Truck ‚n’ Roll Rules“, „Omniscient Lover“ oder „José And Myling“ im Vergleich dazu nicht so recht in die Hufe; zu ähnlich und zu wenig eingängig, zu einfallslos geraten die Songstrukturen. Aber da sind ja noch die stilsicher verfremdeten Country-Cover-Tracks „Everything Counts“, „Drop It Like It’s Hot“, „Gay Bar“ oder „Polk Salad Annie“.
Noch braucht der Wild Bunch wohl Unterstützung von Depeche Mode, Snoop Dogg, den Electric Six oder Tony Joe White und so lange dürfen alle eisernen Verfechter von „Like Ice In The Sunshine“ weiterhin die „Internashville Urban Hymns“ anstimmen. Dabei ist es Zeit, den Staub aus der Hose zu klopfen. Dass bloßes Umsatteln kein Konzept von Dauer sein muss, wissen Humppa-Freunde.
Auch die Finnenspinner Eläkeläiset konnten die eigene Kreativität bald nicht mehr zügeln, um dann doch wieder rückfällig zu werden und munter drauflos zu covern. So weit ist man in Berlin noch nicht. Wenn The BossHoss aber ihren jährlichen Veröffentlichungsturnus beibehalten und die selbst gelegte Hürde der ersten Tracks zu nehmen wissen, könnte es schon bei der nächsten Koppelleerung im VÖ-Jahr 2008 heißen: Kein Cover, aber Country? Cool!
