Goldene Zeiten Orchestra - "Ein bisschen Nikotin"„Wenn ich im Him­mel nicht rau­chen darf, gehe ich nicht hin.“ Wo auch immer sich Mark Twain denn hin­be­ge­ben hat, ein ande­rer Qual­mer ist jeden­falls wie­der da. Zu genie­ßen ver­stand es Wolf­gang Rohde aka Wölli aka Kirsch­was­ser­kö­nig M. schon immer, doch die Band­scheibe zwang den Promi-​​Punk 1999 zum Aus­stieg bei den Toten Hosen. Nun zün­det er mit dem Gol­dene Zei­ten Orches­tra „Ein biss­chen Niko­tin“ (Gol­dene Zei­ten Records/​Tral­lala Musik­ver­lag).

Eine lau­nige Raucher-​​Ode, die weder ver­herr­licht, noch gegen jene eine Gruppe auf­sta­chelt, die — wie Dr. Mabuse in der „Klappe Auf“-November-Ausgabe fest­stellt — als ein­zige etwas fana­tisch nicht tut (näm­lich rau­chen), son­dern nur das Recht auf selbst­be­stimm­ten Genuss ein­for­dert. Und der ist vor allem ande­ren, exakt, Geschmacksache.

Dazu pickt sich Wölli die bes­ten Musi­ker aus den Bands sei­nes Labels Gol­dene Zei­ten Records, unter­stellt sie Gitar­rist Klaus Van­scheidt und raunt selbst wie zu bes­ten Suur­biers–Zei­ten ins Mikro­fon; drü­ber liegt Sound im bes­ten Big-​​Band-​​Stil mit Trom­pete, Saxo­fon und Posaune.

„Ein biss­chen Niko­tin“ gibt’s gegen einen Cent-​​Betrag vor­erst aus­schließ­lich via Web. Der digi­tale Waren­korb stammt übri­gens von den Karls­ru­her mp3-​​Shop-​​Prgrammierern Auxiro. Bis das Album voll­stän­dig ist, gibt’s alle ein bis zwei Monate einen neuen Song zum Down­load, als nächs­tes win­ken und wan­ken „Two Drun­ken Drum­mers“ durch die Lei­tun­gen: Vom Rit­chie mit Wölli, der alte und der neue Hosen-​​Trommler sin­gen im Duett über ihre Par­ty­er­fah­run­gen. Noch ein Genießer.

Und noch einer: „Wenn ich esse, so freue ich mich wie­der dar­auf, ja, ich kann sagen, dass ich eigent­lich bloß esse, um rau­chen zu kön­nen.“ Tja, Tho­mas Mann hätte heut­zu­tage in Loka­len nichts mehr zu bestel­len. Wir auch nicht wirk­lich, aber es gibt ja den Wölli und sei­nen Song für unge­müt­li­che deut­sche Heiz­pilz­abende. Unse­ren künf­ti­gen Protestsong.

Brin­gen wird’s wohl nichts mehr, da kann es Anno Tobak wer­den. Aber wenn die Strah­ler Optik und Kli­ma­schut­zes wegen auch noch wei­chen müs­sen, hält so ein biss­chen Swin­gen wenigs­tens warm bis es zurück nach drin­nen geht. Vor­aus­ge­setzt EU und Gesetz­ge­ber kom­men nicht auf die nächste Schnaps­idee. Rausch­ver­bot für Kirsch­was­ser­kö­nige zum Beispiel.