Crossover? Schon lange nicht mehr in den Mund genommen, diese etwas unsaubere Betitelung für die massentaugliche Hardcore-Welle, und doch so gerne gehört Mitte der 90er. Das Querbeet gibt’s nach wie vor; heute klingen die Body Counts und Dog Eat Dogs nur noch nach Nu Metal und Linkin Park, einzig Rage Against spielen wieder außer Konkurrenz, die H-Blockx machen auf Gradeaus-Rock und Such A Surge Schluss. Rough Lingo dagegen stehen am Anfang.

In Karlsruhe ist die Gruppe um Basserin Ines „Inez“ Vogel dennoch keine Unbekannte mehr, schließlich stand man bereits 2005 als Newcomer-Sieger auf der „Fest„-Hauptbühne. Dass diese regionale Beschränkung nicht von Dauer sein wird, zeigt ihr erster Longplayer „Freund oder Feind?“, mit dem der Fünfer eigenverlegt dem Battle-Rap das Bangen lehrt.

Gemessen an den Reimen von MC Hace alias Patrick Fürniß könnte man meinen, Rough Lingo seien bereits die Größten. Der schimpft, ja wütet beim eröffnenden „Nummer 1″ und dann über zwölf weitere mit derbem Vulgär-Slang ins Mic, dass die guten Kinderstuben besser dicht und Feinde die Fliege machen. Wer sich sonst die Watschn fängt? Es bleibt (noch) beim Diss gegen Unbekannt, die Gegner sind aber wohl so stark, dass mehr als ein Track her muss, um sie einzuschüchtern.

„Bist du mein Freund oder Feind Alter? Mach deinen Status klar!“, zuckt’s zackig in deutschen Staccato-Zeilen, und wo Fürniß von „Murder-Riffs“ rappt, da bekommt er sie auch; wie beim angesprochenen „Film“, aber auch „Yes Mann“ und „Zu viel“ ragen nicht nur diesbezüglich aus einem Erstling heraus, der erstklassig an die Hypezeit des Hardcore andockt. Die rohe Kost verzieren verspielte Gitarrenparts von Oliver Paul und Felix Mußler, die mit ihren astreinen Sololäufen (mal mit Wah-Wah-Pedal verspult und oft die bewusst gerissenen Löcher in der Verzerrerwand stopfend) Monotonie nicht im Ansatz aufkommen lassen. Rough Lingo schicken den Tracks eine fortwährende Ungewissheit voraus.

Das geht dann auch mal am Stück: „Jeden Tag“ ist die (softe) Überraschungsnummer des Albums, eine (musikalisch) wunderschöne und eingängige, dazu grundehrliche (textlich) Erklärung an die gescheiterte Jugendliebe („Du warst grad am Abi und ich kein Lehrer für dich“); vorgebracht vom Assi-Freund („der die Piratenflagge verehrt“) an seine Mrs. City („die gern in adligen Kreisen verkehrt“).

Danach wird wieder in jeder Hinsicht kräftig gekonnt ausgeteilt und beim letzten Track auch endlich aufgelöst: „An alle“ geht’s. Mit den harten, aber klaren Worten, die schon im Bandnamen versprochen werden, kann man sich auf Anhieb anfreunden. Die thematische Einseitigkeit der Texte erschöpft sich nur leider in überschaubarer Zeit. In allen anderen Belangen haben sich Rough Lingo mit diesem Debüt und krachigem (in alter Verbundenheit nennen wir’s auch weiterhin) Crossover-Sound aber ganz eindeutig positioniert: „Check den Shit!“