28. Dezember 2007
Irina Palm
Mit seiner zweiten Langfilmregie leuchtet Sam Garbarski ins Souterrain des Schmuddelsexgewerbes und wird trotz aller thematischen Assoziationen dennoch keinmal pornographisch. Marianne Faithfull spielt die vom Leben zusammengestauchte Titelfigur. Als Grandma Maggie muss sie auf die Schnelle viele Pfund für die Operation ihres todkranken Enkels aufbringen. Die Bank winkt ab, Jobs gibt’s für eine Mittfünfzigerin heutzutag nunmal nicht mehr, nur Clubbesitzer Micky (Miki Manojlovic) scheint noch an ehrlicher Handarbeit interessiert.
Schließlich verbirgt sich hinter dessen Gesuch nach einer „Hostess“ ein unverhohlener Euphemismus und hinter Maggie das Pseudonym „Irina Palm“ (Warner Home Video/X Verleih), wichsende Witwe mit Penisarm: Das Glory Hole ist ihr neuer Arbeitsplatz, wo sie Männern das Masturbieren abnimmt. Maggie richtet sich im Puff häuslich ein. Mit Kittelschürze, Kaffeekanne und Kleenex verrichtet sie ihr Werk nach anfänglichem Ekel alsbald äußerst unaufgeregt, professionell eben, und verdient gut — bis ihr Sohn (Kevin Bishop) argwöhnisch wird.
Garbarski entdämonisiert die Sexindustrie ironisch, während er Pop-Ikone Faithfull mit klobigen Stiefeln ausdruckslos durch Londons Vororte schlurfen lässt. Ihre Melancholie imprägniert 103 Minuten lakonischen Dramas, welches nicht nur vorsichtig den schönen Schluss zulässt, dass die Liebe gerade dort zu finden ist, wo man sie am wenigsten vermutet. Denn übermäßig publikumsgoutierte „Berlinale“-Beiträge erschlaffen oft ohne Zutun.
