31. Januar 2008

Heroes — Season 1

Ziem­lich ver­lo­ren dürfte sich so man­cher „Los­tie“ in den ver­gan­ge­nen Mona­ten gefühlt haben. Jack, Sawyer, Kate, Hur­ley, Sayid, Locke und die Ande­ren hat­ten Sen­de­pause. Zwar zeigt Pro­Sie­ben nun end­lich die dritte Staf­fel der bes­ten (Mystery-)Serie seit Erfin­dung des Fern­se­hens, hinkt damit im ver­netz­ten Zeit­al­ter jedoch dem Wis­sen­stand der meis­ten Fans hoff­nungs­los hin­ter­her. Ein Fül­ler muss her und die Ersatz­droge Num­mer eins für alle „Lost“-losen heißt „Heroes“ (Uni­ver­sal Pic­tures).

Denn auch in der ame­ri­ka­ni­schen Serie von Tim Kring, deren erste Staf­fel 2006 auf der US-​​Rundfunkanstalt NBC anlief, geht es um Unge­wöhn­li­ches; aller­dings etwas offen­sicht­li­cher als bei der noch höher gelob­ten ABC-​​Konkurrenz. Durch den Tod sei­nes Vaters wird der indi­sche Pro­fes­sor Mohin­der Suresh (Send­hil Rama­mur­thy) auf gene­ti­sche Ano­ma­lien aufmerksam.

Über die ganze Welt ver­teilt ent­de­cken der­weil schein­bar nor­male Men­schen, dass sie außer­ge­wöhn­li­che Fähig­kei­ten besit­zen: vom hero­in­ab­hän­gi­gen Künst­ler Isaac Men­dez (San­tiago Cabrera), der die Zukunft zeich­net, über den flie­gen­den Poli­ti­ker Nathan Pet­relli (Adrian Pas­dar), Cheer­lea­de­rin Claire Ben­net (Hay­den Panet­tiere), die über Selbst­hei­lungs­kräfte ver­fügt, Niki San­ders (Ali Lar­ter), die die Per­sön­lich­keit ihrer toten Schwes­ter in sich trägt, bis zum New Yor­ker Cop Matt Park­man (Greg Grun­berg), der die Gedan­ken sei­ner Mit­men­schen hört, und dem Raum und Zeit beherr­schen Com­pu­ter­spe­zia­lis­ten Hiro Naka­mura (Masi Oka). Sie fin­den nach und nach zusam­men und mis­sio­nie­ren gemein­sam: „Rette die Cheer­lea­de­rin, rette die Welt.“

Für ihre Fähig­kei­ten inter­es­siert sich bald nicht mehr nur Gene­ti­ker Suresh, son­dern auch eine undurch­sich­tige Geheim­or­ga­ni­sa­tion. Die Par­teien gera­ten schnell anein­an­der. Dabei ist der etwas anstren­gende Japa­ner Hiro der ein­zige, der seine Hel­den­rolle gera­dezu begeis­tert annimmt. Der Rest hält’s eher mit Peter Par­ker denn den X-​​Men: Man weint der ver­lo­re­nen Nor­ma­li­tät hin­ter­her. Die Serie gefällt gerade des­halb; oben­drein mit immer mal wie­der ein­ge­ar­bei­te­ten Comic-​​Zitaten und als schö­nes Gim­mick dazu absol­viert Stan Lee, Schöp­fer so man­ches Marvel-​​Helden, in Epi­sode 17 „Die Firma“ einen Cameo als Busfahrer.

Ana­log zur Ten­denz, Staf­feln nicht mehr am Stück aus­zu­strah­len, muss dafür aller­dings auch an der Laden­kasse zwei­mal zuge­langt wer­den: „Sea­son 1.1″ kommt der­zeit auf vier DVDs im Steel­book daher, ent­hält zwölf Epi­so­den à 42 Minu­ten. „Sea­son 1.2″ erscheint am 27. März. Vor­zug zum TV-​​Pendant auf RTL 2: Die Fol­gen sind unge­kürzt, rei­chen aber in kei­ner Fas­sung an die Fas­zi­na­tion von J. J. Abrams‘ Insel­mär um Oceanic-​​Flug 815 heran. Nicht annähernd.

Es gibt neben (opti­scher) Mach­art, grund­sätz­li­cher Genre-​​Verwandtschaft und ande­ren Ähn­lich­kei­ten auch in „Heroes“ zu Anfang ein „Was bis­her geschah“ der sich sodann par­al­lel ent­fal­ten­den Ereig­nis­stränge. Die ver­wo­bene Erzähl­weise von „Lost“, mit Flash­backs und Flash­for­wards die Cha­rak­tere nach und nach sorg­fäl­tig mit Leben und die Hand­lung mit Span­nung zu fül­len, die Kom­ple­xi­tät und Stim­mig­keit — das bleibt ein­ma­lig, „Heroes“ erst­klas­si­ger Ersatz. Eine zweite Staf­fel ist gedreht, der vierte Block „Lost“ in Ansät­zen (und US-​​Fassung samt Unter­ti­tel) zu (be-)ziehen. Die Frage, ob Platz bleibt für zwei Dau­er­bren­ner, muss das Publi­kum ent­schei­den. Jeder für sich.