Christoph Gutknecht - "Von Treppenwitz bis Sauregurkenzeit"Was reden wir uns eigent­lich den gan­zen Tag zusam­men, wenn wir so reden, wie wir reden? Das hat sich Chris­toph Gut­knecht, Pro­fes­sor der Lin­gu­is­tik an der Uni­ver­si­tät Ham­burg, gefragt und in sei­nem Buch „Von Trep­pen­witz bis Sau­re­gur­ken­zeit — Die ver­rück­tes­ten Wör­ter im Deut­schen“ (C.H. Beck Ver­lag) aller­lei inter­es­sante Ant­wor­ten zusammengetragen.

Wir ver­ho­ne­pipeln und ver­hun­zen bis hin zum Trep­pen­witz; ein ande­rer ver­bit­tet es sich, einen Tür­ken gebaut zu bekom­men; die obe­ren Zehn­tau­send fei­ern bis in die Pup­pen, wäh­rend für die da unten Sau­re­gur­ken­zeit ange­sagt ist — also höchste Eisen­bahn fürs Ei des Colum­bus. Es gibt im Deut­schen man­ches, das man nur schwer ety­mo­lo­gisch her­lei­ten kann. Die Worte haben im Laufe der Geschichte ihre Bedeu­tung ver­än­dert, so dass man ohne Kennt­nis der Kul­tur­ge­schichte keine Ahnung hat, wovon da eigent­lich die Rede ist: „Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts“ mehr.

Gut­knecht geht die­sem Wan­del der Spra­che nach, rei­tet dabei aber nicht die popu­läre Welle der Spracher­zie­her Bas­tian Sick oder Wolf Schnei­der. Er zielt auf das Hin­ter­grün­dige von Wör­tern wie Phra­sen; dar­auf, dass sie in ihrem his­to­ri­schen Ver­lauf seman­tisch „ver-​​rückt“ sind — und zuwei­len auch nicht mehr ver­wen­det wer­den soll­ten: sei es der durchs NS-​​Regime geprägte Aus­druck Jour­naille, mit dem sich manch Nach­rich­ten­mensch in sei­ner Redak­ti­ons­stube bis heute unwis­sent­lich einer jour­na­lis­ti­schen Canaille zuschreibt; oder den Aus­druck Küm­mel­türke, der ursprüng­lich mal einen Stu­den­ten aus Halle bezeich­net hat.

Sei­nen mit­un­ter etwas wissenschaftlich-​​staubigen Streif­zug durch die Sprach­ge­schichte belegt Gut­knecht mit Abbil­dun­gen quer durch die Jahr­hun­derte und Bei­spie­len aus der Tages– wie Wochen­presse, zitiert auf den 236 Sei­ten aber auch viel­fach Lexika, Wör­ter­bü­cher, Schnitz­ler, Goe­the, Kraus und Les­sing. Und wäh­rend sich die (auch des­halb etwas ver­spreng­ten) Ergeb­nisse prä­sen­tie­ren, gelingt es dem Redensarten-​​Rechercheur doch noch, sei­nem Leser ein Sick’sches Schmun­zeln zu ent­lo­cken: „Ein biss­chen Spaß“ muss schließ­lich sein! Auch wenn die deut­sche Spra­che „ein Stück weit“ mehr ist als höhe­rer Blödsinn.