15. Februar 2008
Christoph Gutknecht – „Von Treppenwitz bis Sauregurkenzeit“
Was reden wir uns eigentlich den ganzen Tag zusammen, wenn wir so reden, wie wir reden? Das hat sich Christoph Gutknecht, Professor der Linguistik an der Universität Hamburg, gefragt und in seinem Buch „Von Treppenwitz bis Sauregurkenzeit – Die verrücktesten Wörter im Deutschen“ (C.H. Beck Verlag) allerlei interessante Antworten zusammengetragen.
Wir verhonepipeln und verhunzen bis hin zum Treppenwitz; ein anderer verbittet es sich, einen Türken gebaut zu bekommen; die oberen Zehntausend feiern bis in die Puppen, während für die da unten Sauregurkenzeit angesagt ist – also höchste Eisenbahn fürs Ei des Columbus. Es gibt im Deutschen manches, das man nur schwer etymologisch herleiten kann. Die Worte haben im Laufe der Geschichte ihre Bedeutung verändert, so dass man ohne Kenntnis der Kulturgeschichte keine Ahnung hat, wovon da eigentlich die Rede ist: „Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts“ mehr.
Gutknecht geht diesem Wandel der Sprache nach, reitet dabei aber nicht die populäre Welle der Spracherzieher Bastian Sick oder Wolf Schneider. Er zielt auf das Hintergründige von Wörtern wie Phrasen; darauf, dass sie in ihrem historischen Verlauf semantisch „ver-rückt“ sind – und zuweilen auch nicht mehr verwendet werden sollten: sei es der durchs NS-Regime geprägte Ausdruck Journaille, mit dem sich manch Nachrichtenmensch in seiner Redaktionsstube bis heute unwissentlich einer journalistischen Canaille zuschreibt; oder den Ausdruck Kümmeltürke, der ursprünglich mal einen Studenten aus Halle bezeichnet hat.
Seinen mitunter etwas wissenschaftlich-staubigen Streifzug durch die Sprachgeschichte belegt Gutknecht mit Abbildungen quer durch die Jahrhunderte und Beispielen aus der Tages- wie Wochenpresse, zitiert auf den 236 Seiten aber auch vielfach Lexika, Wörterbücher, Schnitzler, Goethe, Kraus und Lessing. Und während sich die (auch deshalb etwas versprengten) Ergebnisse präsentieren, gelingt es dem Redensarten-Rechercheur doch noch, seinem Leser ein Sick’sches Schmunzeln zu entlocken: „Ein bisschen Spaß“ muss schließlich sein! Auch wenn die deutsche Sprache „ein Stück weit“ mehr ist als höherer Blödsinn.
