Neue Literatur vom Oberrhein - Folge 3Lesen las­sen. Denn Hör­bü­cher lie­gen im Trend. Das weiß auch die Lite­ra­ri­sche Gesell­schaft um Lei­ter Hans­ge­org Schmidt-​​Bergmann und hat jüngst die Folge 3 ihres Ton­ka­bi­netts „Neue Lite­ra­tur vom Ober­rhein“ (Info Ver­lag/​Lindemanns Biblio­thek Band 45), auf­ge­nom­men im Karls­ru­her Prinz-​​Max-​​Palais, als Jah­res­gabe 2008 herausgebracht.

13 Ori­gi­nal­mit­schnitte gibt’s zu hören, dar­un­ter Silke Scheu­er­mann, der viel­ge­prie­sene Star der jün­ge­ren Lite­ra­tur­szene, die an zwei­ter Stelle ver­tre­ten ist und mit „Die Stunde zwi­schen Hund und Wolf“ und leicht iro­ni­schem Unter­ton eine Auto­fahrt an Seite ihrer sturz­trun­ke­nen Schwes­ter schil­dert. Ein­füh­ren ins „Ehren­werte Haus“ darf aber der lite­ra­tur­stu­dierte Musik-​​Kabarettist Gunzi Heil mit flin­ken Kla­vier­fin­gern. Und ihm sind in sei­nen Ver­sen weder die Lite­ra­tur­stadt Karls­ruhe, die so wich­tig ist, dass Goe­the hier ‚ne Nacht ver­brachte, der „kleine fette Vik­tor Joseph Schef­fel“, noch Hebels unschwe­di­scher Schreib­tisch hei­lig. Ein necki­sches Täss­chen Lite­ra­tur­café — aber bitte mit Sahne!

Oder Mar­kus Orths, der „Das Leh­rer­zim­mer“ mit sei­nem Stu­di­e­nas­ses­sor Kra­nich und hämi­scher All­tags­tra­gik füllt, dass man gott­froh ist, einen ande­ren Beruf ergrif­fen zu haben. Lese­pro­ben von Anja Küm­mel („Das weiße Kor­sett“), Jagoda Mari­nic („Rus­si­sche Bücher“), oder Nina Jäckle („Man geht das Zim­mer ab“) — die Aus­wahl der lite­ra­ri­schen Gat­tun­gen reicht im Laufe der etwa 75 Minu­ten bis zur beklem­men­den Zukunfts­vi­sion (Joa­chim Zel­ter — „Schule der Arbeitslosen“).

Genauer hin­hö­ren kön­nen muss man beim Bei­trag von Ulf Stol­ter­foht („Drei Gedichte“); auch die ver­ren­kende Sprach­a­kro­ba­tik von Chris­toph Köh­ler („Kon­tin­gen­tie­rung“) ist nicht unbe­dingt etwas für eine ent­spannte Auto­fahrt und ganz auf­ge­regt hält’s auch das Karls­ru­her „Komedy-Kabarett“-Duo Rastet­ter & Wacker, die mit höhe­rem Blöd­sinn erst völ­lig „Völ­lig Dada!“ gehen, um sich gen Ende dem Dada­is­ten Kurt Schwit­ters fol­gend doch noch poe­tisch „An Anna Blume“ wenden.

Schrei­ben kön­nen sie alle, vor­tra­gen nun nicht unbe­dingt. Stun­den­lang zuhö­ren möchte man aber Mar­tin Gülichs mor­bi­der Erzäh­lung „Die Umar­mung“ und natür­lich Kai Wayand, der mit sono­rer Stimme das kräf­tige Stim­mungs­bild eines trost­lo­sen Vor­weih­nachts­abends auf­zie­hen lässt („Rhythm And Blues“). Zwi­schen vier und acht Minu­ten bekommt ein Bei­trag; und wenn diese Zeit ver­stri­chen ist, rächt sich schließ­lich doch noch die Bequem­lich­keit, nicht selbst zum Buch gegrif­fen zu haben.