7. Februar 2008
Neue Literatur vom Oberrhein – Folge 3
Lesen lassen. Denn Hörbücher liegen im Trend. Das weiß auch die Literarische Gesellschaft um Leiter Hansgeorg Schmidt-Bergmann und hat jüngst die Folge 3 ihres Tonkabinetts „Neue Literatur vom Oberrhein“ (Info Verlag/Lindemanns Bibliothek Band 45), aufgenommen im Karlsruher Prinz-Max-Palais, als Jahresgabe 2008 herausgebracht.
13 Originalmitschnitte gibt’s zu hören, darunter Silke Scheuermann, der vielgepriesene Star der jüngeren Literaturszene, die an zweiter Stelle vertreten ist und mit „Die Stunde zwischen Hund und Wolf“ und leicht ironischem Unterton eine Autofahrt an Seite ihrer sturztrunkenen Schwester schildert. Einführen ins „Ehrenwerte Haus“ darf aber der literaturstudierte Musik-Kabarettist Gunzi Heil mit flinken Klavierfingern. Und ihm sind in seinen Versen weder die Literaturstadt Karlsruhe, die so wichtig ist, dass Goethe hier ’ne Nacht verbrachte, der „kleine fette Viktor Joseph Scheffel“, noch Hebels unschwedischer Schreibtisch heilig. Ein neckisches Tässchen Literaturcafé – aber bitte mit Sahne!
Oder Markus Orths, der „Das Lehrerzimmer“ mit seinem Studienassessor Kranich und hämischer Alltagstragik füllt, dass man gottfroh ist, einen anderen Beruf ergriffen zu haben. Leseproben von Anja Kümmel („Das weiße Korsett“), Jagoda Marinic („Russische Bücher“), oder Nina Jäckle („Man geht das Zimmer ab“) – die Auswahl der literarischen Gattungen reicht im Laufe der etwa 75 Minuten bis zur beklemmenden Zukunftsvision (Joachim Zelter – „Schule der Arbeitslosen“).
Genauer hinhören können muss man beim Beitrag von Ulf Stolterfoht („Drei Gedichte“); auch die verrenkende Sprachakrobatik von Christoph Köhler („Kontingentierung“) ist nicht unbedingt etwas für eine entspannte Autofahrt und ganz aufgeregt hält’s auch das Karlsruher „Komedy-Kabarett“-Duo Rastetter & Wacker, die mit höherem Blödsinn erst völlig „Völlig Dada!“ gehen, um sich gen Ende dem Dadaisten Kurt Schwitters folgend doch noch poetisch „An Anna Blume“ wenden.
Schreiben können sie alle, vortragen nun nicht unbedingt. Stundenlang zuhören möchte man aber Martin Gülichs morbider Erzählung „Die Umarmung“ und natürlich Kai Wayand, der mit sonorer Stimme das kräftige Stimmungsbild eines trostlosen Vorweihnachtsabends aufziehen lässt („Rhythm And Blues“). Zwischen vier und acht Minuten bekommt ein Beitrag; und wenn diese Zeit verstrichen ist, rächt sich schließlich doch noch die Bequemlichkeit, nicht selbst zum Buch gegriffen zu haben.
