25. Februar 2008
Prinzessinnenbad
„Ich komm aus Kreuzberg, du Muschi!“ ist einer der letzten Sätze in Bettina Blümers Dokumentation über drei Berliner Gören mit zugehöriger Schnauze, die sie ein Jahr lang begleitet hat. Die 15-jährigen Freundinnen Tanutscha, Halb-Iranerin, Mina, Halb-Italienerin und das blonde Püppchen Klara stehen stellvertretend für so viele Altersgenossen in Deutschlands multikulturellstem Stadtteil.
Eine normale Kindheit war keiner von ihnen vergönnt. Tanutschka bezeichnet sich selbst als Deutsche und hat den Kontakt zum Vater abgebrochen. Minas deutsche Mutter hat jetzt einen afrikanischen Freund und ihr Papà eine wesentlich jüngere Freundin, sie selbst ist verliebt in den grundanständigen George, der kurz vorm Abi steht, um dann die Welt zu bereisen.
Klara hat ihren Erzeuger erst gar nicht kennen gelernt, dafür schon über 30 Freunde, schmeißt Trips, beklaut die eigene Oma, ist im Jugendhilfeprojekt für Schulverweigerer, weiß nicht ob sie Pornostar oder Tierpflegerin werden wird, findet alle Deutschen doof, Türken toll und kommt so gar nicht damit klar, dass ihre Mutter wieder heiraten möchte.
Es ist dieser Brückenschlag zwischen krassem Großstadtsoziotop und den gängigen Nöten des Erwachsenwerdens orientierungsloser Scheidungskinder, die das wertfrei montierte Langfilmdebüt von der ersten Szene im Sommerbad Kreuzberg, dem Prinzenbad, auszeichnet.
Afrob, Lisi, She-Raw und andere Berliner Artists begleiten das Trio musikalisch durch eine Langzeitbeobachtung, die zeigt, wie schnell diese Mädchen ob der Lebensumstände erwachsen werden müssen und vor allem, wo sie mit dem hohen Tempo nicht mehr Schritt halten können. O wie schön ist Zehlendorf.
