28. März 2008
Leroy
Leichte Schläge auf den Hinterkopf erhöhen das Denkvermögen. Intelligenzbestien sind die sich ständig gegenseitig auf die Glatzen klopfenden Neonazis in Armin Völckers Kinofassung von „Leroy räumt auf“ trotzdem nicht. 2005 drehte er seinen mehrfach ausgezeichneten Kurzfilm über den schwarzen Deutschen an der Schwelle zur Volljährigkeit (Alain Morel), dessen Freundin Eva (Anna Hausburg) fünf üble Skinhead-Brüder hat.
Mit seinem Halbgriechen-Kumpel Dimi (Constantin von Jascheroff) muss er sich gegen Familie Braun durchsetzen, die so rechts ist, dass sie selbst ihre Wellensittiche nach Hitlers Generälen Rommel und Kaltenbrunner benannt hat. Doch Leroy kämpft um seine Liebe und überdenkt dank John „Shaft“ die eigene Identität.
Völcker führt seinen Leroy noch solo ein, wenn wir auf den Spuren des lässigen Blaxploitation-Kinos der 70er mit der Titelfigur durch den Großstadtdschungel Berlin streifen. Frei von moralinem Ballast, aber auch weitgehend frei von den schrägen Schmunzlern der knapp 20-minütigen Vorlage präsentiert sich ein Genre-Step zwischen Teenager-Komödie und musikalischem Message-Movie.
Denn seinen Beat bekommt „Leroy“ (Warner Home Video/X Verleih) mit eigens für den Film unter Federführung des Absoluten Beginners Denyo produzierten Songs von Afrob (der als „Blacula“ obendrein einen Kurzauftritt absolviert) Curse, Clueso sowie zum Soundtrack beigesteuerte Songs von Seeed, Blumentopf oder Jan Delay.
Funk, Soul und Rap bekommen somit ziemlich viel, ausgiebigere Dialoge über bundesdeutsche Selbstverständnisse oder aufgeschippte Vorurteile eher weniger Raum; und richtig schwarzhumorig wird’s erst zur wohlbekannten Endlösung: Leroy will den Faschismus kommerzialisieren, um die einzige noch funktionierende Subkultur, die Neonazis, wie so viele andere von der Industrie kaputtmachen zu lassen. Mit Gründung der Skinhead-Boygroup atmet „Leroy“ endlich schöne Utopie — ein Vorschlag zum Drübernachdenken.
