27. März 2008
Schmetterling und Taucherglocke
Echte Horrorvisionen brauchen nicht zwangsläufig stiefeltief Kunstblut und abgetrennte Gliedmaße. Jean-Dominique Bauby (Mathieu Amalric), der Protagonist in Julian Schnabels Bestsellerverfilmung, ist noch an einem Stück, als er im Krankenhaus aus dem Koma erwacht. Doch der Gehirnschlag hat ihn in seinem eigenen Körper eingesperrt. Diagnose: Locked-In-Syndrom. Lebenslänglich.
Sein linkes Auge ist die letzte verbliebene Möglichkeit, mit der Außenwelt zu kommunizieren; und so beginnt Bauby Lidschlag um Lidschlag, Zeile um Zeile, seine Memoiren zu diktieren. Die Erinnerungen sind schmerzend, berührend – aber ohne Wehklage. Schnabel inszeniert einen echten Mutmacher.
Die Autobiografie des damals 43-jährigen Chefredakteurs der französischen „Elle“ verarbeitet er in „Schmetterling und Taucherglocke“ zu einer heiteren Hymne auf das Leben; nimmt der Geschichte mit zärtlicher Poesie nahezu alles Furchteinflößende, den Horror, welcher die Vorstellung eines solchen (Schicksals-)Schlages beim Zuschauer im Vorfeld aufgebaut hat. Und ganz ohne Sentimentalitäten kommen nur die wirklich großen Liebesgeschichten aus.
