Echte Hor­ror­vi­sio­nen brau­chen nicht zwangs­läu­fig stie­fel­tief Kunst­blut und abge­trennte Glied­maße. Jean-​​Dominique Bauby (Mathieu Amal­ric), der Prot­ago­nist in Julian Schna­bels Best­sel­ler­ver­fil­mung, ist noch an einem Stück, als er im Kran­ken­haus aus dem Koma erwacht. Doch der Gehirn­schlag hat ihn in sei­nem eige­nen Kör­per ein­ge­sperrt. Dia­gnose: Locked-​​In-​​Syndrom. Lebenslänglich.

Sein lin­kes Auge ist die letzte ver­blie­bene Mög­lich­keit, mit der Außen­welt zu kom­mu­ni­zie­ren; und so beginnt Bauby Lid­schlag um Lid­schlag, Zeile um Zeile, seine Memoi­ren zu dik­tie­ren. Die Erin­ne­run­gen sind schmer­zend, berüh­rend — aber ohne Weh­klage. Schna­bel insze­niert einen ech­ten Mutmacher.

Die Auto­bio­gra­fie des damals 43-​​jährigen Chef­re­dak­teurs der fran­zö­si­schen „Elle“ ver­ar­bei­tet er in „Schmet­ter­ling und Tau­cher­glo­cke“ zu einer hei­te­ren Hymne auf das Leben; nimmt der Geschichte mit zärt­li­cher Poe­sie nahezu alles Furcht­ein­flö­ßende, den Hor­ror, wel­cher die Vor­stel­lung eines sol­chen (Schicksals-)Schlages beim Zuschauer im Vor­feld auf­ge­baut hat. Und ganz ohne Sen­ti­men­ta­li­tä­ten kom­men nur die wirk­lich gro­ßen Lie­bes­ge­schich­ten aus.