Yakuzi - "Thin Red Line"Für einen sau­be­ren Blow Job ist die­ser Sech­ser aus Pforz­heim seit dem gleich­na­mi­gen 2004er-​​Debüt immer zu haben. Mit ihrer zwei­ten EP „Trom­pe­ten­punk“ haben sie ihrem Sound denn auch gleich ein tref­fen­des Label ver­passt; seit­her stets dank­bar auf­ge­grif­fen, wenn Yakuzi Thema ist. Das Dritt­werk „Thin Red Line“ (Roo­kie Records/​Cargo Records) zemen­tiert mit fet­zi­gen Blä­ser­li­nien den beschrit­te­nen Weg: Die quir­li­gen Gold­städ­ter set­zen sich wei­ter ab.

Zu Beginn dür­fen erst­mal Oli Die­t­erle und Andy Tho­mas bei „7 Minu­tes Cash Flow“, kräf­tig in die Sai­ten lan­gen. Ein schmis­si­ger Punk­rock­song bri­ti­scher Prä­gung mit noch ver­gleichs­weise dezen­tem Blä­se­rein­satz, der beim sich anschlie­ßen­den „Legi­ons Of The Ostra­ci­zed“ schon prä­sen­ter wird. Die von Mat­thias Hef­ner und Tho­mas Gärt­ner gebla­se­nen Posau­nen– und Trom­pe­ten­parts mischen sich leicht und locker über alle 14 Tracks. Dass die auch nach mehr­ma­li­gem Hören ihren Reiz behal­ten, liegt an den zahl­rei­chen kon­tras­tie­ren­den Tem­po­wech­seln, die zwi­schen durch­weg ein­gän­gi­gen Gitar­ren­riffs auch ruhi­ge­ren, weni­ger dicht instru­men­tier­ten Pas­sa­gen Platz einräumen.

Das kann wie bei „How Dare You“ auch mal ganz vorne anste­hen, wenn das Piano dezent eine flotte Abge­h­num­mer ein­füh­ren darf — bei der dann end­lich auch die Blä­ser das Lun­gen­vo­lu­men aus­tes­ten. So rich­tig klas­sisch zum Ein­satz kom­men die Blech­in­stru­mente bei „Caramba Joder“. Dass musi­ka­li­sche Spa­nisch­kennt­nisse vor­han­den sind, haben wir schon zum Aus­klang des pas­sa­blen Vor­gän­gers „One To All!“ ver­nom­men; und die aktu­el­len Lati­no­sound geschwän­ger­ten Aus­flüge brin­gen wei­tere Würze in ein Album, das sogar Swing („TV Rab­bit On Cocaine“) und Western-​​Klänge („Last Shot“) stil­echt beherrscht. Ska wird dabei allen­falls noch gestreift.

Wo bis­her Bands wie die Mad Cad­dies oder Nofx als Refe­renz her­hal­ten muss­ten, erwei­tern Rocket From The Crypt oder Snuff die Ver­gleichs­liste — und wer­den „Thin Red Line“ doch nicht gerecht. Das kratzig-​​spitze Organ von Sän­ger Oli Die­t­erle ist (wenn auch jenem von Fat Mike Bur­kett nicht unähn­lich) die letzte ganz per­sön­li­che Note einer Punk-​​Kapelle, die sich fern von Offbeat-​​Orgien auch dank gereif­ter, weil kri­ti­scher Text­ar­beit einen neuen Höhe­punkt erspielt hat; und die­sen Blow Job muss man dem exzel­len­ten Ruf von Yakuzi fol­gend auch live genie­ßen. Wir kom­men. Unter Garantie.