28. März 2008
Yakuzi — „Thin Red Line“
Für einen sauberen Blow Job ist dieser Sechser aus Pforzheim seit dem gleichnamigen 2004er-Debüt immer zu haben. Mit ihrer zweiten EP „Trompetenpunk“ haben sie ihrem Sound denn auch gleich ein treffendes Label verpasst; seither stets dankbar aufgegriffen, wenn Yakuzi Thema ist. Das Drittwerk „Thin Red Line“ (Rookie Records/Cargo Records) zementiert mit fetzigen Bläserlinien den beschrittenen Weg: Die quirligen Goldstädter setzen sich weiter ab.
Zu Beginn dürfen erstmal Oli Dieterle und Andy Thomas bei „7 Minutes Cash Flow“, kräftig in die Saiten langen. Ein schmissiger Punkrocksong britischer Prägung mit noch vergleichsweise dezentem Bläsereinsatz, der beim sich anschließenden „Legions Of The Ostracized“ schon präsenter wird. Die von Matthias Hefner und Thomas Gärtner geblasenen Posaunen– und Trompetenparts mischen sich leicht und locker über alle 14 Tracks. Dass die auch nach mehrmaligem Hören ihren Reiz behalten, liegt an den zahlreichen kontrastierenden Tempowechseln, die zwischen durchweg eingängigen Gitarrenriffs auch ruhigeren, weniger dicht instrumentierten Passagen Platz einräumen.
Das kann wie bei „How Dare You“ auch mal ganz vorne anstehen, wenn das Piano dezent eine flotte Abgehnummer einführen darf — bei der dann endlich auch die Bläser das Lungenvolumen austesten. So richtig klassisch zum Einsatz kommen die Blechinstrumente bei „Caramba Joder“. Dass musikalische Spanischkenntnisse vorhanden sind, haben wir schon zum Ausklang des passablen Vorgängers „One To All!“ vernommen; und die aktuellen Latinosound geschwängerten Ausflüge bringen weitere Würze in ein Album, das sogar Swing („TV Rabbit On Cocaine“) und Western-Klänge („Last Shot“) stilecht beherrscht. Ska wird dabei allenfalls noch gestreift.
Wo bisher Bands wie die Mad Caddies oder Nofx als Referenz herhalten mussten, erweitern Rocket From The Crypt oder Snuff die Vergleichsliste — und werden „Thin Red Line“ doch nicht gerecht. Das kratzig-spitze Organ von Sänger Oli Dieterle ist (wenn auch jenem von Fat Mike Burkett nicht unähnlich) die letzte ganz persönliche Note einer Punk-Kapelle, die sich fern von Offbeat-Orgien auch dank gereifter, weil kritischer Textarbeit einen neuen Höhepunkt erspielt hat; und diesen Blow Job muss man dem exzellenten Ruf von Yakuzi folgend auch live genießen. Wir kommen. Unter Garantie.
