18. April 2008
Die drei Räuber
Es muss weiß Gott nicht immer dreidimensional auf der Kinoleinwand zugehen. Der Bilderbuchklassiker „Die drei Räuber“ (Warner Home Video/X Verleih) des Elsässer Illustrators Tomi Ungerer jedenfalls umschmeichelt in liebevoll handgefertigter 2D-Animation nicht nur Kinderherzen. Dabei hat die kleine Tiffany (herzigst eingesprochen von Elena Kreil) zu Anfang wenig freudige Erlebnisse: Die Eltern tot und vom Gendarmen (Regisseur Hayo Freitag) ins Waisenhaus abgeschoben, kutschiert sie mit Puppe Pimpernella durch den dunklen Wald. Bis die drei Titel-„Helden“ auf den Plan treten.
Obwohl Anführer Malente (Joachim Król), Flinn (Bela B. Felsenheimer) und Donnerjakob (Charly Hübner) zunächst überhaupt kein Interesse an der mageren Beute haben, gelingt es Tiffany, sich der bösen Heimleiterin (Katharina Thalbach) zu entziehen. Der Verlockung eines vermeintlichen Maharadscha-Vaters können die schwarzbehuteten und –ummantelten Banditen mit Beil, Blasebalg und Büchse nicht widerstehen. Der kessen Geisel geht’s gut, und stockholmsyndromisiert lässt es sich in der Räuberhöhle fein aushalten. „Prinzessin“ Tiffany bringt den drei lösegoldgierigen Schurken sogar das Lesen bei, nichts ahnend, dass sie mittlerweile steckbrieflich vermisst wird…
Werden für Pro– und Epilog noch Vorlagenbilder von 1963 in Bewegung versetzt, hat man den Zeichenstil ansonsten behutsam, aber effektiv aufgepeppt; kräftig-satte Farben machen den Tag strahlend und die Nacht dunkelblaudüster. Akustischer Clou: Tomi Ungerer selbst fungiert als Erzähler und gibt mit der ihm eigenen Lakonie (und dem stampfenden „Räuberlied“ der Bananafishbones) den Ton vor.
Regisseur Freitag lässt seinen kleinen (und kleingebliebenen!) Zuschauern die Zeit, Details und Skurrilitäten vom Wegesrand aufzusammeln, während Ungerers anarchische Adern Herzblut durch die 79 Minuten pumpen; sie ergreifen ohne didaktische Moralisierung Partei fürs Kindesrecht auf Neugierde und Selbstverwirklichung. Die steht auch dem offenen Auges hinterherhinkenden deutschen Animationsfilm prima. Zurück zum Zeichentrick! Dann gibt’s Beifall, auch wenn’s platt zugeht.
