28. April 2008

Sicko

Arm dran, wer krank ist im Land der unbe­grenz­ten Mög­lich­kei­ten. Fast 50 Mil­lio­nen Ame­ri­ka­ner sind nicht kran­ken­ver­si­chert. Obgleich Bra­chi­al­do­ku­men­tar Michael Moore mit ihnen in sei­nen Dritt­ling „Sicko“ (Sena­tor Home Enter­tain­ment) ein­steigt, geht es die kom­men­den zwei Stun­den viel­mehr um die übri­gen 250 Mil­lio­nen. Denn sie sind nur ver­meint­lich bes­ser dran.

Kran­ken­häu­ser, Phar­ma­in­dus­trie, Ver­si­che­rer — das ist Moo­res auf Pro­fit aus­ge­rich­tete und dafür über Lei­chen gehende „Achse des Bösen“. Ein Gesund­heits­sys­tem, in dem Bewer­ber mit beste­hen­der Kran­ken­ge­schichte abge­wie­sen wer­den, im Scha­dens­fall win­den sich die Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men, um die enor­men Kos­ten auf den „Ver­ur­sa­cher“ abzu­wäl­zen. Moore belegt dies mit vie­len Ein­zel­schick­sa­len und gestän­di­gen Ex-​​Mitarbeitern.

Wis­sen seine Lands­leute längst und des­halb ab nach Kanada, Groß­bri­tan­nien, Frank­reich und Kuba (!), um ihnen vor­zu­füh­ren, wie toll „Socia­li­zed Medi­cine“ funk­tio­niert. Die roman­ti­sche Sug­ges­tion, dass hier alles kos­ten­los sei, ist bekannte Moo­re­sche Pole­mik; Sim­pli­fi­zie­rung und Unsach­lich­keit waren und sind seine Werk­zeuge, mit denen er immer geschick­ter mon­tiert, um die Wahr­heit deut­lich zu machen.

Hoch­tou­rig läuft’s, wenn das Schwer­ge­wicht die Trä­nen­drüse abstellt und den Sar­kas­mus ein­spannt: Mit einer Gruppe lun­gen­kran­ker 9/​11–Vete­ra­nen schip­pert Moore nach Guan­ta­namo Bay, wo die Staats­feinde der USA eine bes­sere gesund­heit­li­che Ver­sor­gung erhal­ten als der Durchschnittsami.

Rein in den Hoch­si­cher­heits­trakt kommt er nicht, angelt aber schon mal vor Kuba ankernd in der hie­si­gen Apo­theke nach einer sati­ri­schen Schluss­pointe. Auch in der Alten Welt scho­ckiert die­ses popu­lis­ti­sche Pam­phlet. Und amü­siert. Cause It’s Only Docu­tain­ment. Und wir ant­wor­ten künf­tig viel­leicht ein klein wenig gelas­se­ner auf die läs­tige Zweik(l)assenfrage.