Kinetic Energy - "Dogsbody Days"Gehört und gese­hen wer­den will man als Musi­ker. Da nun aber zeit­ge­mäße Ein-​​Mann-​​Kapellen mehr am Rech­ner schrau­ben und fei­len, anstatt hin­ter der Werk­bank Unmen­gen an Instru­men­ta­rium so zu ver­bas­teln, dass sich der Kor­pus Musi­kus damit vor Publi­kum auf­bauen kann, bleibt fürs Büh­nen­er­leb­nis am Ende doch nur der kon­ven­tio­nelle Weg: Eine Band aus Fleisch und Blut muss her! Und so hat Domi­nik Reis­mann sein Solo­pro­jekt A Boy’s Tale zum neuen Vie­rer Kine­tic Energy entfaltet.

„Dogs­body Days“ (Eigen­ver­lag) heißt das Karls­ru­her Rockpop-​​Debüt mit alten, aber neu arran­gier­ten Songs, die zu bei­nah glei­chen Tei­len bereits über die zwei A Boy’s Tale-​​Alben „Time ’til Twenty“ und „It’ll Soon Be Sum­mer“ ver­teilt waren. Und auch, wenn sich Reis­mann damit für sämt­li­che Aus­gangs­kom­po­si­tio­nen ver­ant­wort­lich zeich­net — wäh­rend der Sound dank Joa­chim Nagel (Key­board), Vik­tor Kess­ler (Schlag­zeug) und Sven Rink (Bass) von ech­ten „Hand­lan­gern“ erzeugt wird — muss er sich die Auf­merk­sam­keit fortan teilen.

Denn der Mann an den Tas­ten, der nach gele­gent­li­chen Pia­no­parts beim letz­ten Solo-​​Album seine Fin­ger jetzt über­all und jeder­zeit im Spiel hat, ist min­des­tens ebenso auf­fäl­lig wie der blond­m­äh­nige Front­mann. Die Gitarre ver­liert dafür gele­gent­lich etwas an Volume; Reis­manns Prä­senz kon­zen­triert sich mehr auf seine kräf­ti­gen Stimm­bän­der, die zu Rock wie Pop glei­cher­ma­ßen har­mo­nisch schwingen.

Die neun aus­er­wähl­ten Songs behal­ten dabei ihren Grund­cha­rak­ter: „Maybe You“, „Whe­re­ver I Am“, „Go For­ward“ oder „Come Back Time“ trau­ern bal­la­dig; die Rock­pop­num­mern „Happy“, „Look At Me“ und „Last Time“ erklin­gen mit man­chem Schnör­kel noch froh­ge­mu­ter; das hym­ni­sche „Call At Home“ besticht mit zwei­stim­mi­gem Gesang (dafür feh­len die auf­fri­schen­den Raps von Colos­sus MC) und der Opener „Addic­ted“ bleibt kra­chige Aus­nahme einer Zusam­men­stel­lung, die sich — und das ist das Wesent­li­che an die­sem Debüt — jetzt auch end­lich sehen las­sen kann.