10. Mai 2008
Kinetic Energy — „Dogsbody Days“
Gehört und gesehen werden will man als Musiker. Da nun aber zeitgemäße Ein-Mann-Kapellen mehr am Rechner schrauben und feilen, anstatt hinter der Werkbank Unmengen an Instrumentarium so zu verbasteln, dass sich der Korpus Musikus damit vor Publikum aufbauen kann, bleibt fürs Bühnenerlebnis am Ende doch nur der konventionelle Weg: Eine Band aus Fleisch und Blut muss her! Und so hat Dominik Reismann sein Soloprojekt A Boy’s Tale zum neuen Vierer Kinetic Energy entfaltet.
„Dogsbody Days“ (Eigenverlag) heißt das Karlsruher Rockpop-Debüt mit alten, aber neu arrangierten Songs, die zu beinah gleichen Teilen bereits über die zwei A Boy’s Tale-Alben „Time ’til Twenty“ und „It’ll Soon Be Summer“ verteilt waren. Und auch, wenn sich Reismann damit für sämtliche Ausgangskompositionen verantwortlich zeichnet — während der Sound dank Joachim Nagel (Keyboard), Viktor Kessler (Schlagzeug) und Sven Rink (Bass) von echten „Handlangern“ erzeugt wird — muss er sich die Aufmerksamkeit fortan teilen.
Denn der Mann an den Tasten, der nach gelegentlichen Pianoparts beim letzten Solo-Album seine Finger jetzt überall und jederzeit im Spiel hat, ist mindestens ebenso auffällig wie der blondmähnige Frontmann. Die Gitarre verliert dafür gelegentlich etwas an Volume; Reismanns Präsenz konzentriert sich mehr auf seine kräftigen Stimmbänder, die zu Rock wie Pop gleichermaßen harmonisch schwingen.
Die neun auserwählten Songs behalten dabei ihren Grundcharakter: „Maybe You“, „Wherever I Am“, „Go Forward“ oder „Come Back Time“ trauern balladig; die Rockpopnummern „Happy“, „Look At Me“ und „Last Time“ erklingen mit manchem Schnörkel noch frohgemuter; das hymnische „Call At Home“ besticht mit zweistimmigem Gesang (dafür fehlen die auffrischenden Raps von Colossus MC) und der Opener „Addicted“ bleibt krachige Ausnahme einer Zusammenstellung, die sich — und das ist das Wesentliche an diesem Debüt — jetzt auch endlich sehen lassen kann.
