19. Mai 2008

Odette Toulemonde

Die schöns­ten All­tags­mär­chen kom­men natu­rel­le­ment aus Frank­reich. Deren Lieblings-​​Romancier Éric-​​Emmanuel Schmitt ist jetzt ins Regie­fach gewech­selt, um seine „Odette Tou­le­monde et autres his­toires“ (Sena­tor Home Enter­tain­ment) visu­ell auf­zu­be­rei­ten. Die Titel­hel­din (Cathe­rine Frot) ist ein Ste­hauf­frau­chen, die das Beste aus ihrem klei­nen Leben macht.

Tags­über steht die Witwe sich in der Kos­me­tik­ab­tei­lung eines Kauf­hau­ses die Beine in den Bauch, bevor sie in ihre Mini­miet­woh­nung heim­stö­ckelt. Dort drän­geln sich bereits ein schwu­ler Sohn, seine wech­seln­den Part­ner, die schon trot­zig gebo­rene Toch­ter und deren nichts­nut­zi­ger Freund.

Zum Freuen flüch­tet Odette in die Fik­tion: Wie eine Mary Pop­pins lässt sie der Regis­seur in die Welt der seich­ten Schnul­zen­ro­mane ihres Idols Bal­t­ha­zar Bal­san (Albert Dupon­tel) auf­stei­gen. Doch der Schnö­sel inter­es­siert sich nicht son­der­lich für sei­nen treu­es­ten Fan. Als ein Fern­seh­kri­ti­ker Balsans neues Buch ver­reißt und neben­bei auch noch mit des Auto­ren Gat­tin ver­kehrt, ver­fällt der geschmähte Künst­ler in eine Depres­sion — und erin­nert sich plötz­lich an jene Frau Jeder­mann, die ihm grade neu­lich bei der Lesung einen rüh­ri­gen Brief zuge­steckt hat.

Ein­sam­keit, Hoff­nung und spä­tes Glück, darum dreht es sich eigent­lich immer in Schmitts Büchern. Hier erzählt er (selbst­re­flek­tie­rend?) von einem Autor, der (den sei­nen nicht unähn­li­che) Romane für ein Publi­kum schreibt, das ihm selbst völ­lig fremd ist. Und wenn die bei­den in Schein­wel­ten leben­den schließ­lich sanft in der Rea­li­tät lan­den, sind wir getra­gen vom Gesang José­phine Bak­ers schwe­re­los über all die Abgründe geschwebt, um am Ende doch noch ein paar Sprit­zer von jenem Kitsch ins Gesicht zu bekom­men, den Schmitt zuvor noch als Kunst der klei­nen Leute abge­tan hat. Fabel­hafte fran­zö­si­sche Filmwelt.