29. Mai 2008
Sex And The City
Der ungeschminkte Plausch vierer Frauen über die normalste Sache der Welt machte eine Serie zur Übermutter. Und was den Herren ihr „Indiana Jones“ ist dieser Frühsommerkinotage der Damen „Sex And The City — The Movie“. Denn das Wiedersehen vier Jahre nach Auslaufen verspricht nun all jene Fragen zu beantworten, die am Ende von sechs Staffeln offen blieben.
Geben sich Carrie (Sarah Jessica Parker) und Mr. Big (Chris Noth) nach immer währendem Hin und Her doch noch das Ja-Wort? Sind Miranda (Cynthia Nixon) und Steve (David Eigenberg) glücklich bis ans Lebensende? Bekommen Charlotte (Kristin Davies) und Harry (Evan Handler) jemals eigenproduzierten Nachwuchs? Und kann Samantha (Kim Cattrall) ein einziger Schwanz genügen? Eine Staffel im Zeitraffer gibt Antworten.
Und die lauten in nicht-chronologischer Reihenfolge (!) zweimal ja, vielleicht und nein. Es ist das Leben nach dem Happy End, denn war im Grunde nicht bereits ein versöhnlicher Schlussstrich unter die bewegten Lebensabschnitte der modernen Großstadt-Frauen jenseits der 30 gezogen? Der ließ zwar — obgleich alle vier Protagonistinnen ihr Glück in der monogamen Beziehung fanden — manches offen; auch wie schlecht es mittlerweile um die Emanzipation in Manhattan bestellt ist.
Samantha lebt mit Smith (Jason Lewis) in Hollywood; Steve gesteht Miranda in der gemeinsamen Brooklyner Wohnung, dass er sie betrogen hat; Carrie gehört jetzt auch zu den besser situierten (die ihr so wichtige „Carrie-Kette“, der in Staffel sechs noch besondere Aufmerksamkeit geschenkt wurde, ist anscheinend nicht mehr gut genug?), schreibt statt wöchentlicher Kolumnen beim „New York Star“ einen Bestseller nach dem anderen (die witzig-weisen Voiceovers weichen damit einer klassischen Erzählerin), verkauft ihr süßes Appartement (ohne beim Auszug auch nur an Aidans Sessel zu denken), zieht dafür mit ihrem John James „Mr. Big“ Preston ins schnieke Penthouse (oder besser in den begehbaren Kleiderschrank) — und will ihn doch tatsächlich heiraten! Die kalten Füße holen ihn spät, doch sie holen ihn ein. Und Charlotte? Die war ja sowieso schon immer die Unspektakulärste des tabulosen Quartetts.
Um das Konfliktewirrwarr der anderen drei zu entknoten, streckt Serien-Regisseur und –Drehbuchautor Michael Patrick King die gewohnten 25-Minuten-Episoden auf knapp zweieinhalb Stunden. Dramaturgisch kein Problem (zumal mit massig Product-Placement bezuschusst); und nachdem er Carrie zu Anfang ihre Clique kurz einführen lässt, die den jeweiligen Beziehungsstand dokumentiert, kommen auch ungeübte Seher ohne Probleme mit und auf ihre Kosten. Einen nahtlosen Übergang zum Serienende versucht man erst gar nicht.
Denn die Damen sind nunmal ein paar Jahre gealtert, man ist nicht mehr ganz so ausgehfreudig, aber fashion-fanatisch wie eh und je, Carrie braucht zum Lesen auch schon mal Bigs Brille und vom Sex in der City hört man nur noch wenig: Die Fast-Verheiratete macht (wie die übrigen Problemkinder) viel zu viel mit sich selbst aus, anstatt die Café-Runde zur Krisensitzung zu rufen und die Zuseher mit intelligentem, frivolem Wortwitz zu erheitern.
Um so schöner, wenn sie dann doch mal zusammenfinden und übers „Ausmalen“ oder Intimrasur philosophieren. Gerne hätten wir (gerade als hier immer wieder so gern Mäuschen spielende männliche Minderheit) mehr gehört von dem, was für eine amerikanische Mainstreamserie bei der deutschen Erstausstrahlung im Herbst 2001 noch so unerwartet offenherzig gewesen ist — oder werden Frauen in den Vierzigern etwa langsam prüde? Auch erotische Intermezzi verwehrt King seinen Damen. Statt dessen karikiert er das Klischeebild von Traumhochzeit und Ehegelöbnis — nur um es schließlich doch noch zu bedienen.
Da die Serie sich aber ursprünglich um Singles drehte, wird nun Jennifer Hudson als „Louise aus St. Louis“ eingeflogen. Sie spielt Carries neue Assistentin, die ihr hilft, Wohnung und Leben zu ordnen: Und deshalb kriegt sie hier und da jene Dialoge ab, die eigentlich einer größeren Aussprache bedurft hätten. Auch bleibt dafür weniger Zeit, um nach Charlotte zu schauen. Die hat zwar so manch launigen Auftritt parat, schwebt aber längst in schwangerer Seligkeit und wird daher vom Plot weitgehend ausgeblendet.
Ihr schwuler Freund (und Carries Hochzeitsplaner) Anthony (Mario Cantone) darf dafür vergleichsweise oft mit hysterischen Auftritten glänzen; und am Ende „Konkurrent“ Stanford (Willie Garson) sogar einen Schmatzer auf den Mund drücken. Da haben sich dann auch (fast) alle wieder lieb und „The Movie“ relativ viel vom Wiedersehen mit alten Freundinnen: Eigentlich passt alles, nur dass man sich in der Zwischenzeit vielleicht ein kleines bisschen auseinander gelebt hat.
