5. Juni 2008
Falco — Verdammt, wir leben noch
„In Wien musst erst sterben, damit sie dich hochleben lassen.“ Sein Comeback hat Falco alias Hans Hölzel zwar nicht mehr erlebt, dafür vorher mitgenommen, was geht. Alkohol und andere Drogen, Frauen und jede Menge Erfolg: „Rock Me Amadeus“ landet als bisher einziges deutschsprachiges Lied an der Spitze der US-Billboard-Charts. Dem schillernden Leben des ersten weißen Rappers widmet sich Thomas Roth.
Er zeigt, wie der kleine Johann vaterlos bei einer dominanten Mutter (Susi Stach) aufwächst, sich über die Szenebands Hallucination Company und Drahdiwaberl nach vorne spielt, die Kunstfigur Falco kreiert und nach anfänglicher Ablehnung in der Heimat mit „Der Kommissar“ ausgerechnet nebenan bei den Piefkes durchbricht.
Von Anfang an springen wir immer mal wieder zum 6. Februar 1998 auf jenen Parkplatz in der Dominikanischen Republik, von dem aus Falco nach 118 Minuten vollgepumpt mit Rauschmitteln in einen Bus kracht und stirbt. „Out Of The Dark“, der posthume Hit, füllt den Nachspann. Zwischendrin die privaten Auf und Abs, die Hin und Hers mit Ehefrau Jacqueline (Patricia Aulitzky), die eigentlich Isabella heißt und der vermeintlich gemeinsamen Tochter Carolina-Tanja (in Wirklichkeit Katharina Bianca), die Flops und natürlich die Hits („Jeanny“, „Mutter, der Mann mit dem Koks ist da“).
Falco-Darsteller Manuel Rubey verkörpert den gegelten Exzentriker prima und mit Schmäh, geht optisch glatt als einer der gestorbenen Brüder durch — auch wenn er bei weitem nicht die Präsenz des Originals ausstrahlen kann. Dieses Zerbrechliche passt dafür ganz gut ins Skript, das mehr Lebensstationen abhakt anstatt einer ausgeklügelten Dramaturgie zu folgen.
Die nährt sich aus dem Zwiespalt zwischen dem selbstzerstörerischen Egoisten Falco und einem unter übergroßer Erwartungshaltung zerbrechenden Hans. „Ich lebe nur einmal. Und so wie ich lebe, ist einmal auch genug.“ Ein gutes Biopic füllt’s lässig-locker.
