Dem Esta­blish­ment ans Bein pin­keln kann er ja ganz prima. „Die fet­ten Jahre sind vor­bei“ hat Hans Wein­gart­ner 2004 kapi­ta­lis­mus­kri­tisch pro­kla­miert. Jetzt träumt der Welt­ver­bes­se­rer unter den deut­schen Regis­seu­ren vom mün­di­gen Kon­su­men­ten, von der auf­ge­klär­ten Unter­schicht. Deren Trash-​​TV im Stile der Samenrennen-​​Show „Hol dir das Super-​​Baby“ wird von Zam­pa­nos wie Rai­ner (Moritz Bleib­treu) pro­du­ziert. Warum? Weil die Leute ein­schal­ten. Ein Zusam­men­stoß mit Pegah (Elsa Sophie Gam­bard) reißt den Dau­er­kok­ser aus dem Quotenwahn.

Er ver­bün­det sich aus­ge­rech­net mit jenem Mäd­chen, des­sen Groß­va­ter er mit­tels Äther­ruf­mord in den Frei­tod getrie­ben hat und kün­digt sei­nem Sen­der und der Ver­blö­dungs­in­dus­trie den Kampf an. Die Lücke im Sys­tem ist schnell aus­ge­macht: Quo­ten­hö­rig­keit. Mit einer hand­voll „Macht kaputt, was euch kaputt macht“-Rekruten und mani­pu­lier­ten Zah­len ver­sucht er Macher wie Gucker umzuerziehen.

Nötig haben wir’s ja — wie allein schon der Blick in die Pro­gramm­zeit­schrift zeigt. Nach­hilfe in Quo­ten­lehre gibt’s gleich dazu und weil eine Hoch­rech­nung (die nur rund 13.000 deut­sche, GEZ zah­lende Staats­bür­ger berück­sich­tigt) eta­bliert, aber nun nicht unbe­dingt reprä­sen­ta­tiv sein muss, bie­tet sich Stoff genug für medi­en­kri­ti­sche Ansätze.

„Mit links geht alles bes­ser“, idea­li­siert Wein­gart­ner in „Free Rai­ner — Dein Fern­se­her lügt“ (Kino­welt Home Enter­tain­ment) wei­ter, dem hier lei­der ein wenig die sati­ri­sche Balance abhan­den kommt: Bleib­treus Spiel lei­det unter einer dop­pelt über­zeich­ne­ten Rolle ohne Ent­wick­lungs­chance, die Debat­ten kön­nen sich so man­chen Spon­ti­spruch wie­der nicht ver­knei­fen. Und doch rebel­liert ein unter­halt­sa­mer Anar­choch­arme in die­ser rele­van­ten, schön bebil­der­ten Uto­pie vom klu­gen Fern­se­hen. Fuck The Sys­tem, wenigs­tens ‚n bisschen.