Metallica - "Death Magnetic"
Wie Metallicas Karriere wohl verlaufen wäre, wenn sie schon 1988 angekündigt hätten, dass das übersteuerte "And Justice For All" ihr letztes gutes Album für die nächsten 20 Jahre bleiben würde (sieht man mal von der Coverkiste "Garage Inc." ab)? Schwermetaler hatten jedenfalls ziemlich leichtes Spiel: Mit Besitzstandswahrung kam man zwei ganze Dekaden durch. Jetzt steht mit dem neunten Studioalbum "Death Magnetic" (Mercury/Universal) endlich wieder "Some Kind Of Monster" in den Läden.Mit dem Thrash-Metal-Sound, der sie unter Produzent Flemming Rasmussen wachsen ließ, hatte schon das "Black Album" nichts mehr zu tun; zwangsläufig hat man sich dennoch angefreundet mit den Mainstream-Rock-Tracks "Enter Sandman", "Sad But True", "Nothing Else Matters" und "Wherever I May Roam" - ging ja auch nicht anders bei der medialen Präsenz. Das Material, was dann '96 in "Load" abgefeuert wurde, war dagegen schon ein einziger Rohrkrepierer; aber nein, man musste sich beim Nachladen gleich nochmal die volle Ladung ins andere Knie schießen.
Dass man mit dem Symphonie-Rock-Symbiosen-Album "S&M" nur den eigenen Anspruch bedienen würde, hätten sich James Hetfield, Lars Ulrich und Kirk Hammett gleich ausrechnen können. Noch so ein Kunststück! Und nach der schallgedämmten, dumpf-stampfenden Klangkatastrophe, die Hausproduzent Bob Rock dann 2003 auf dem schier solilosen "St. Anger" abgemischt hat, ließen sich Metallica endgültig nur noch auf der Bühne anhören. Kein eben glücklicher Einstand für Jason-Newsted-Nachfolger Robert Trujillo, der jetzt aber zeigen darf, dass er der wahre Ersatz für den '86 tödlich verunglückten Basser Cliff Burton ist.
Besinnung. Schon der gute alte, zackige Bandschriftzug auf dem Cover weckt Vorfreude auf gerechtere Zeiten; der einsetzende Herzschlag beim Opener "That Was Just Your Life" taktet synchron mit der eigenen Blutpumpe. Und es kündigt sich im Intro wie schon bei "Battery" oder "Blackened" Großes an. Nach anderthalb Minuten schlagen endlich schwere, schnelle Kettensägenriffs und Double-Bass-Attacken um sich, abgehackt-treibender Gesang und zügelloses Solospiel soll folgen. Und weiter geht's im selben Stile mit den druckvollen "The End Of The Line", "Broken, Beat & Scarred" und niemals unter sechseinhalb Minuten. Da bleibt auch Zeit, um die ohnehin schon ausschweifenden Songstrukturen immer mal wieder aufzusprengen.
"The Day That Never Comes" kommt zu Beginn schon wieder daher wie eine dieser öd-eingängigen, balladesken Metallica-Hardrock-Nummern - reißt sich dann aber von allem los, um in einer druckvollen Jamsession verloren zu gehen. Und jetzt kommt's! "All Nightmare Long", eine klassikerverdächtige, einzig durch die melodische Hookline aufgebrochene, aggressive Trümmernummer, die ebenso gut der Hidden-Track auf "Ride The Lightning" hätte sein können. Dagegen bleibt das sich anschließende "Cyanide" geradezu konturenlos.
Das einzig echte Bekenntnis an die unschöne Vergangenheit ist "The Unforgiven III", das mit Piano und Streichern den dünnen Faden von schwarzem Album und "Re-Load" aufgreift und sich einzig durch einen aufbäumenden Zwischenteil rechtfertigt. Dann hat Hetfield Sendepause: "Suicide & Redemption" schielt ins tiefste Damals und auf die Instrumentals "The Call Of Ktulu" und "Orion", prescht aber acht Minuten lang zielstrebig dran vorbei. Egal, der diesmal von Rick Rubin arrangierte Sound klingt wieder breitwandig, fett, vollmundig; Metallica tun das Übrige und kloppen mit "The Judas Kiss" und "My Apocalypse" 76 teils furiose Minuten voll. Das mag (noch) nicht so elektrisierend sein wie einst in den 80ern. Aber unerwartet anziehend.
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