Rogue Steady Orchestra - "Ein Drittel Angst, zwei Drittel Wut"Schur­ken­ska nennt sich das Gebräu, mit dem der Göt­tin­ger Neu­ner seine dritte Platte „Ein Drit­tel Angst, zwei Drit­tel Wut“ (Twis­ted Chords) befüllt hat. Und diese Mischung zün­det. Dass es dabei nicht unpo­li­tisch zugeht, lässt sich schon am Bau­prin­zip des Album­ti­tels able­sen; statt Ben­zin die­nen dem Rogue Steady Orches­tra die Zustände „im Land der Rich­ter und der Hen­ker“ als Treib­stoff, wo man lie­ber „Pro­blem­bä­ren“ und „Florida-​​Rolf“ hinterherhetzt.

Die Lunte legt ein sat­ter Blä­ser­satz aus Saxo­phon, Trom­pete und Posaune zwi­schen dop­pelt besetz­ter Gitarre. Und hoch gehen zehn Offbeat-​​Burner mit Hal­tung: „Ratio­nal befreite Zone“, „Macker­po­go­dar­wi­nis­mus“, „Dickes Nee“ oder „Europa lädt nach“ kün­di­gen durch­dach­tes poli­ti­sches Gedan­ken­gut an, mehr­stim­mig meist auf Deutsch, ein­mal Spa­nisch und ein­mal Eng­lisch vor­ge­tra­gen und umman­telt von einem pop­pi­gen Ska, der mit Punk (Anspiel­tipp: „Die Kunst des Ver­lie­rens“), Funk, Jazz oder Swing ein ech­tes Groove-​​Feuerwerk abbrennt.

Den vom Band­na­men her­leit­ba­ren, tra­di­tio­nel­len Rocksteady gibt’s nur beim Subhumans-​​Cover „Sub­vert Reg­gae Limits“. Und wenn Chaoze One an den Start geht, schmeckt’s mit einem Mal sogar nach Havana Club („Incom­u­ni­cado“). Der Mann­hei­mer MC fea­tured mit tie­fer D-​​Flame-​​Röhre auch den Album-​​Reißer „Revolte Tanzparkett“.

Da will jeder ein­mal Schurke sein! Dem elf­ten und letz­ten Track genügt zum Knal­ler eine Zeile, die fette Aus­ru­fe­zei­chen unter eine sel­ten gute Scheibe setzt: „This Is The Sound Of The Rogue Steady O.“! Nach­bauen könnte kom­pli­ziert werden.