26. September 2008
Rogue Steady Orchestra — „Ein Drittel Angst, zwei Drittel Wut“
Schurkenska nennt sich das Gebräu, mit dem der Göttinger Neuner seine dritte Platte „Ein Drittel Angst, zwei Drittel Wut“ (Twisted Chords) befüllt hat. Und diese Mischung zündet. Dass es dabei nicht unpolitisch zugeht, lässt sich schon am Bauprinzip des Albumtitels ablesen; statt Benzin dienen dem Rogue Steady Orchestra die Zustände „im Land der Richter und der Henker“ als Treibstoff, wo man lieber „Problembären“ und „Florida-Rolf“ hinterherhetzt.
Die Lunte legt ein satter Bläsersatz aus Saxophon, Trompete und Posaune zwischen doppelt besetzter Gitarre. Und hoch gehen zehn Offbeat-Burner mit Haltung: „Rational befreite Zone“, „Mackerpogodarwinismus“, „Dickes Nee“ oder „Europa lädt nach“ kündigen durchdachtes politisches Gedankengut an, mehrstimmig meist auf Deutsch, einmal Spanisch und einmal Englisch vorgetragen und ummantelt von einem poppigen Ska, der mit Punk (Anspieltipp: „Die Kunst des Verlierens“), Funk, Jazz oder Swing ein echtes Groove-Feuerwerk abbrennt.
Den vom Bandnamen herleitbaren, traditionellen Rocksteady gibt’s nur beim Subhumans-Cover „Subvert Reggae Limits“. Und wenn Chaoze One an den Start geht, schmeckt’s mit einem Mal sogar nach Havana Club („Incomunicado“). Der Mannheimer MC featured mit tiefer D-Flame-Röhre auch den Album-Reißer „Revolte Tanzparkett“.
Da will jeder einmal Schurke sein! Dem elften und letzten Track genügt zum Knaller eine Zeile, die fette Ausrufezeichen unter eine selten gute Scheibe setzt: „This Is The Sound Of The Rogue Steady O.“! Nachbauen könnte kompliziert werden.
