30. September 2008

Wall-​​E

Wenn das Dreh­buch erst den Satz „Ich liebe dich“ vor­schreibt, hat der Film im Grunde schon ver­spielt. Show Me, Don’t Tell Me! Und Auf­tritt „Wall-​​E“. Beim fortan unter Dis­ney–Dach­ver­band im Haus der Maus pro­du­zie­ren­den Pixar–Stu­dio hat man Spiel­zeug, Fischen, Autos und Rat­ten das Spre­chen beige­bracht. Der letzte Erd­be­woh­ner aller­dings ist der Trick­schmiede ers­ter Ani­ma­ti­ons­held, dem fast gänz­lich die Worte fehlen.

Zu Anfang des Hightech-​​Zukunftsmärchens ist auch nie­mand mehr da, mit dem er sich unter­hal­ten könnte (mal abge­se­hen von sei­nem Freund, der Kaker­lake): Die Mensch­heit hat ihren zuge­müll­ten Pla­ne­ten ver­las­sen, aber ver­ges­sen, den letz­ten Robo­ter aus­zu­schal­ten. Und der ros­tige, vom vie­len Schuf­ten gezeich­nete Wall-​​E (Waste Allo­ca­tion Load Lif­ter Earth-​​Class) tut wei­ter­hin, wor­auf er pro­gram­miert ist.

So reflek­tiert Regis­seur And­rew Stan­ton — wie es sich für guten Sci­ence Fic­tion gehört — nach dem obli­ga­to­ri­schen Vor­film („Presto“, der ein wider­spens­ti­ges Show­ka­nin­chen in den Licht­ke­gel stellt) über 98 Minu­ten das Hier und Jetzt, wäh­rend er seine bei­den Blech­ge­sel­len nahezu aus­schließ­lich unter Zuhil­fe­nahme von Kör­per­spra­che und den Sound­ef­fek­ten von Ben Burtt emo­tio­na­li­siert, der ja schon R2-​​D2 in der „Star Wars“-Saga das Piep­sen (und Darth Vader das Atmen) gelehrt hat. Was bei „Cars“ nicht rich­tig zün­den wollte, läuft auf ein­mal wie geschmiert.

Dabei ist „Wall-​​E“ noch weni­ger Kin­der­film als Pixar-​​Vorgänger „Rata­touille“, der zwi­schen den Zei­len eine kluge Para­bel auf Tole­ranz, Loya­li­tät, Läu­te­rung, Risi­ko­be­reit­schaft und Durch­hal­te­ver­mö­gen vor­trägt. Was hier noch stim­mig als echte Fami­li­en­un­ter­hal­tung ver­packt war, könnte die Klei­nen jetzt auf­grund sei­nes hohen Niveaus ebenso mit­un­ter lang­wei­len wie die Gro­ßen, die sich wie­derum an plump vor­ge­tra­ge­ner Kon­sum– und Kul­tur­kri­tik stö­ren: Unmün­dige, tech­nik­hö­rige Men­schen, die nur noch Soft und Fast in sich hin­ein­stop­fen, unfä­hig ihren Geh­ap­pa­rat zu benut­zen, wer­den im Ziel­grup­pen­spa­gat der­art naiv dar­ge­stellt, dass die Bot­schaft an Wir­kung einbüßt.

Wäh­rend die einen mit ordent­lich Schau­wert (und einem in Dreck ver­sin­ken­den Putz­ro­bo­ter) bei Laune gehal­ten wer­den, der in Sachen detail­ver­lieb­ter, rea­li­täts­ge­treuer Ani­ma­tion (die Men­schen wir­ken dabei mit ihrer Comi­car­tig­keit jedoch wie Fremd­kör­per) ein­mal mehr neue Maß­stäbe setzt, dür­fen sich die ande­ren an den zahl­rei­chen Sci-​​Fi-​​Reminiszenzen erfreuen.

Allen voran zitiert Stan­ton Stan­ley Kubricks „2001 — Odys­see im Welt­raum“; von der ers­ten hal­ben, nahezu dia­lo­g­lo­sen Stunde über die Hal-​​Verwandschaft auf der Kom­man­do­brü­cke des Raum­schiffs Axiom, der neuen Hei­mat der pla­ne­ten­lo­sen Men­schen, bis hin zum Ertö­nen von Richard Strauss‘ „Also sprach Zara­thus­tra“. Und wenn die bei­den schließ­lich Hän­den hal­ten, fes­tigt sich der Ein­druck: Pixars in jeder Hin­sicht erwach­senste Lie­bes­er­klä­rung ans Trickfilmgenre.