AC/​DC - "Black Ice"Angus & Co. sind wie guter Single-​​Malt. Man weiß auch bei län­ge­rer Lage­rung genau, wie’s schme­cken wird. Nach acht Jah­ren Rei­fe­zeit haben die Aus­tra­lier jetzt end­lich das neue Album raus­ge­macht: AC/​DC sind back mit „Black Ice“ (Colum­bia/​Sony BMG). Der „Rock ‚n‘ Roll Train“ ist schon seit gerau­mer Zeit auf Radio-​​Single-​​Spur und zieht auf Album­länge wei­tere 14 Songs hinterher.

Mal­colm Young wirft die raue Rhyth­mus­gi­tarre an, Phil Rudd tak­tet die Schieß­bude — und der Opener ist in Fahrt. Die­ses Gespann läuft auch rund, wenn die trei­ben­den Riffs und Cliff Wil­liams‘ Bass­läufe den mit unterdrückt-​​hochlagiger Stimme ins Mic gepress­ten Vocals von Brian John­son Platz machen müs­sen. Zum mehr­stim­mi­gen Refrain fin­den alles zusam­men. Damit die Sache auch in Schwung bleibt, feu­ert Angus Young auf sei­ner Gib­son SG noch ein paar sweete Licks nach.

Und fer­tig ist der kno­chen­tro­ckene, selbst­be­wusst redu­zierte Groove, nach des­sen schlich­tem Bau­prin­zip unzäh­lige gute und noch bes­sere AC/​DC-​​Nummern (von denen es übri­gens mehr gibt als die feten­weise tot­ge­nu­del­ten „Thun­der­struck“, „TNT“, „Hells Bells“ und „High­way To Hell“!) so sicher arbei­ten wie ein Schwei­zer Uhr­werk. Mit ihrem 15. Stu­dio­al­bum — dem ers­ten, seit „Stiff Upper Lip“ Anfang 2000 Platz eins der deut­schen Album-​​Charts belegt hat — kon­ser­vie­ren AC/​DC die­sen zeit­lo­sen Sound. Und zumin­dest zah­len­mä­ßig sind die unver­wüst­li­chen Hardrock-​​Ikonen aber­mals ganz obenauf.

Denn in Sachen Drive und Geschmei­dig­keit kommt kaum eine Num­mer an dem allen­falls Mid­tempo auf­neh­men­den „Rock ‚n‘ Roll Train“ vor­bei — trotz aller Ver­spielt­heit aus­ge­klü­gelts­ter Arran­ge­ments wie dem die Platte beschlie­ßen­den Titel­song, „Big Jack“, „War Machine“, „Wheels“ oder das blues-​​wurzelige „Deci­bel“, die öfter als gewohnt dem stu­ren Rif­fer­un­ter­spie­len ent­flie­hen. Und obwohl sich die Young-​​Brüder wie sel­ten gegen­läu­fige Melo­die­li­nien in die Sai­ten spie­len, kann Schlag­zeu­ger Rudd im Grunde den Tem­po­mat ein­stel­len: AC/​DC zün­den die­ser Tage keine „Heatseeker“.

Und als müss­ten sie es sich man­tra­haft vor Augen hal­ten, dass ihre Mucke immer noch nach Män­ner­schweiß riecht, beinhal­ten neben der Single-​​Auskopplung gleich drei wei­tere die Essenz ihres 35-​​jährigen Schaf­fens: „Rocking All The Way“, „She Likes Rock ‚n‘ Roll“ und „Rock ‚n‘ Roll Dream“. Der bleibt nach dem Opener gleich­falls von einer Scheibe hän­gen, die weni­ger mar­kant ist, als ihre Vor­gän­ger „Ball­brea­ker“ und „Stiff Upper Lip“; über allen ande­ren AC/​DC-​​Alben liegt bereits der hei­lige Schein der Unantastbarkeit.

Aber sollte man statt zu stän­kern nicht viel­mehr fünf Duck­walks machen, dass diese alten Her­ren über­haupt noch­mal Schie­ber­mütze und Schul­bu­ben­uni­form ins Stu­dio getra­gen haben? We Salute You! Da müs­sen die Pro­mille eben auch mal ohne Hoch­pro­zen­ti­ges zustande kommen.