Heinrich Blanc & Karl Fischer - Gründer zweier WeltfirmenEs ist schon mehr als ein klei­nes Wirt­schafts­wun­der, wenn in einer beschau­li­chen 10.000-Einwohner-Gemeinde gleich zwei­mal glo­bale Unter­neh­mens­ge­schichte geschrie­ben wird. Den bei­den Pio­nie­ren hin­ter Blanco und E.G.O. wid­met sich das Fabri­kan­ten­por­trät „Hein­rich Blanc und Karl Fischer — Grün­der zweier Welt­fir­men“ (Ver­lag Regio­nal­kul­tur).

1925 in Ober­der­din­gen mit nur weni­gen Mit­ar­bei­tern ans Werk gegan­gen, hat sich die Blanco über die Jahr­zehnte vom ein­fa­chen Herdwasserschiff-​​Hersteller zu einem der füh­ren­den Pro­du­zen­ten von Haus­halts­spü­len wie Catering-​​Systemen ent­wi­ckelt und gehört seit Mitte der 70er — als man in Folge der Ölkrise kurz vor der Insol­venz stand — mehr­heit­lich zur E.G.O.-Gruppe. Deren Vor­gän­ger­firma, die Schwarz­wäl­der Zan­gen­kon­takt Werk­stätte, grün­dete Karl Fischer im gut 200 Kilo­me­ter ent­fern­ten Ober­wei­ler (heute Baden­wei­ler), wo in den 20ern noch in beschei­de­nem Umfang Elek­tro­herde her­ge­stellt werden.

Das Kür­zel steht bei der Umfir­mie­rung 1927 noch für Elektro-​​Gerätebau Ober­wei­ler bis der Ober­der­din­ger Bür­ger­meis­ter Paul Bur­ger den gesel­li­gen Kauf­mann Blanc und den fin­di­gen Tüft­ler Fischer 1931 zusam­men­bringt und die E.G.O. vom badi­schen Mark­gräf­ler­land in den schwä­bi­schen Kraich­gau lotst. Das O im Fir­men­na­men ist schnell an die neue Ört­lich­keit ange­passt; und was mit 13 Beschäf­tig­ten beginnt, ist heute einer der maß­geb­li­chen Her­stel­ler von Pro­duk­ten und Tech­no­lo­gien für die Haus­ge­rä­te­in­dus­trie mit Gesell­schaf­ten in mehr als 20 Ländern.

Aus­ge­hend von den Anfän­gen die­ses schier bei­spiel­lo­sen Joint Ven­tures in schwie­ri­gen Rezes­si­ons­jah­ren schil­dert Autor Karl-​​Heinz Gla­ser über 160 Sei­ten den Auf­stieg bei­der Fabri­kan­ten (die in sozia­lem Den­ken und Han­deln ihrer Zeit weit vor­aus waren) wäh­rend der Nach­kriegs­ära, skiz­ziert die wirt­schaft­li­chen Nacken­schläge bis zur Posi­tio­nie­rung des Indus­trie­stand­orts Der­din­gen in der Gegenwart.

130 viel­fach his­to­ri­sche Foto­gra­fien und Abbil­dun­gen von Ent­wür­fen, Paten­ten, Bro­schü­ren und Mit­ar­bei­ter­zei­tun­gen aus allen Unter­neh­mens­epo­chen las­sen anspre­chend auf­ge­macht, aber teils arg werb­lich for­mu­liert, man­ches an den 83 Jah­ren Geschichte leben­dig wer­den; doch unter­schlägt und ver­nach­läs­sigt der Ver­such einer Chro­nik (wohl aus Unwis­sen­heit, ehr­fürch­ti­gen oder schüt­zen­den Moti­ven) einige nicht unbe­deu­tende Ereig­nisse, Weg­be­glei­ter (wie Fischers werk­meis­ter­li­che rechte Hand Max Wurs­ter) und Nach­fol­ger: Der lang­jäh­rige Tech­ni­sche Blanco-​​Direktor Wer­ner Her­bold ist nur noch einen belang­lo­sen Neben­satz wert. Und dar­über hät­ten sich ganz bestimmt nicht nur die por­trä­tier­ten Pio­niere gewundert.