Kuno Bärenbold - "Letzte Verführung"„Ein warm­her­zi­ger Erd– und Pol­ter­geist“, so beschreibt Harald Hurst den „Ein­zel­gän­ger­freund“ im Vor­wort. Als am 6. Mai 2008, einem Diens­tag­abend, das 61-​​jährige Herz nicht wei­ter schla­gen wollte, ver­lor Karls­ruhe eine der mar­kan­tes­ten Figu­ren im hie­si­gen Lite­ra­tur­be­trieb. Die „Ver­füh­ren zum Lesen“ war stets sein Credo, ein Bänd­chen ver­eint nach­ge­las­sene Texte und doku­men­tiert das Wir­ken des Kuno Bären­bold.

„Letzte Ver­füh­rung“ (Info Ver­lag/​Lindemanns Biblio­thek Band 58) por­trä­tiert den Schrift­stel­ler, Rezen­sent und eif­ri­gen Brie­fe­schrei­ber aus der Dur­la­cher „Poe­ten­höhle“, der sich neben dem Ver­fas­sen von auto­bio­gra­fi­schen Erzäh­lun­gen über aller­lei Rand­fi­gu­ren (hier stell­ver­tre­tend „End­lich daheim“ oder „Na, wie gefällt’s uns in der Klapse?“), zu denen er ja selbst irgend­wie gezählt hat, auch und gerne an sei­nen Mit­men­schen gerie­ben hat.

Und wenn sie nicht zu grei­fen waren, dann gab’s einen gepfef­fer­ten Leser­brief: „Hunds­ge­mein“ ist so einer, gerich­tet von einem, der ver­se­hent­lich schwarz fuhr, an die hie­sige Tages­zei­tung und natür­lich der als „Ampu­tier­ter Stier“ beti­telte und bereits zu Leb­zei­ten in Kuno­bärs Web­log ver­öf­fent­lichte pri­vate Brief­wech­sel mit Heidi Gro­negger von der SWR-​​Zeitschrift „Dop­pel­pfeil — ein Dia­log aus dem Lehr­buch der hohen Streitkultur.

Wie viel Herz­lich­keit die­ser stets hell­wa­che Kri­ti­kus zugleich in sich trug, zeigt der liebevoll-​​originelle Geburts­tags­gruß zum 60. des bes­ten Freun­des („Don’t worry, be happy“) oder eine am Nach­mit­tag des ers­ten Weih­nachts­fei­er­ta­ges 2007 ver­fasste E-​​Mail an die „Lie­ben Freunde!“. „Bye bye Kuno“ sagt stell­ver­tre­tend für viele Peter Kohl im dem Karls­ru­her Stadt­ma­ga­zin „Klappe auf“ ent­nom­me­nen Nachruf.

Bären­bolds Art zu schrei­ben war mit­un­ter eigen, so ganz ohne Schnör­kel, die Geschich­ten spe­zi­ell, mit­un­ter mora­lin­ge­säu­ert und vie­les sti­lis­tisch kaum ein­zu­ord­nen. Oft blei­ben es Anek­do­ten, Moment­auf­nah­men, die unver­hofft enden, wie das „Duell im Ländle 1″, das er mir im Februar 2008 mit dem ver­schmitz­ten Ver­merk „Bitte 50 x aus­dru­cken und heute Nach­mit­tag an alle VfB-​​Halunken ver­tei­len!“ mit zum Derby-​​Schauen gab. Es war seine letzte Mail an mich.

„Egal wo ich bin, ich will Spu­ren hin­ter­las­sen. Das will ich, Spu­ren hin­ter­las­sen“, gibt er in dem eben­falls nach­zu­le­sen­den, sehr ein­dring­li­chen Inter­view mit Kurt Krei­ler aus dem Jahr 2000 anläss­lich eines Radio-​​Features zu Pro­to­koll; einer der sel­te­nen Momente, in dem er über seine „Ver­zweif­lungs­tat“ und die Haft spricht. Kuno Bären­bold wird in der regio­na­len Lite­ra­tur­ge­schichts­schrei­bung viel­leicht „keine große Rolle spie­len, auch wenn man sei­nen Knast­ge­schich­ten und man­chen Repor­ta­gen aus der Arbeits­welt mehr Leser und einen gewich­ti­ge­ren Platz wün­schen möchte“, wie Mit-​​Herausgeber Mat­thias Kehle im Nach­wort schreibt. Dass ihm sein Wol­len aber nach­drück­lich gelun­gen sein muss — auch davon zeu­gen diese 84 Seiten.