Das Leben sollte mit dem Tod begin­nen. Meinte mal Mark Twain. Noch hat „Der selt­same Fall des Ben­ja­min But­ton“ nicht gene­ti­sche Schule gemacht, und darin liegt das Pro­blem: Denn wäh­rend seine große Liebe (Cate Blan­chett) wie alle Men­schen älter wird, läuft die Lebens­uhr bei ihm (Brad Pitt) rückwärts.

But­ton kommt als Greis zur Welt, der Vater setzt die ver­meint­lich kranke Abscheu­lich­keit vorm Alters­heim aus. Dort lernt er Daisy ken­nen, als sie noch ein klei­nes Mäd­chen ist. Sie wach­sen ein­an­der zu, wer­den ein Paar und die Frage „Liebst du mich auch noch, wenn ich Pickel habe?“ wirkt nur im ers­ten Moment komisch. Bis er schließ­lich als Säug­ling stirbt, hat auch Ben­ja­min But­ton gelernt loszulassen.

David Fin­cher hat die­sen Nach­weis schon geführt: Statt Thril­ler wie „Sie­ben“ oder „Fight Club“ zu dre­hen, ent­schied er sich bei der drit­ten Zusam­men­ar­beit mit Brad Pitt für einen Film über das kost­bare Gut Zeit. 166 Minu­ten davon füllt er mit den ganz gro­ßen Gefüh­len und tritt damit als desi­gnier­ter „Bes­ter Regis­seur“ aus­sichts­reich in gleich 13 Kate­go­rien bei der „Oscar“-Verleihung an; unter ande­rem noch als „Bes­ter Film“ mit „Bes­tem Haupt­dar­stel­ler“ und der „Bes­ten Nebendarstellerin“.

Com­pu­ter­tech­nik ermög­lichte es, die Kurz­ge­schichte von Welt­li­te­rat F. Scott Fitz­ge­rald mit ein und dem­sel­ben Akteur zu ver­fil­men; und auf die­ser glaub­haf­ten Arbeit von Mas­ken­bild­nern und Trick­tech­ni­kern fußt die Lehre von der Ver­gäng­lich­keit, deren sym­pa­thi­scher Son­der­ling „For­rest Gump“ oder „Big Fish“ nach­fol­gen will. Aber wie reimt doch Lie­der­ma­cher Götz Wid­mann in Twains Namen: „Ein Leben, das als Orgas­mus endet, war auf kei­nen Fall verschwendet.“