29. Januar 2009
Der seltsame Fall des Benjamin Button
Das Leben sollte mit dem Tod beginnen. Meinte mal Mark Twain. Noch hat „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ nicht genetische Schule gemacht, und darin liegt das Problem: Denn während seine große Liebe (Cate Blanchett) wie alle Menschen älter wird, läuft die Lebensuhr bei ihm (Brad Pitt) rückwärts.
Button kommt als Greis zur Welt, der Vater setzt die vermeintlich kranke Abscheulichkeit vorm Altersheim aus. Dort lernt er Daisy kennen, als sie noch ein kleines Mädchen ist. Sie wachsen einander zu, werden ein Paar und die Frage „Liebst du mich auch noch, wenn ich Pickel habe?“ wirkt nur im ersten Moment komisch. Bis er schließlich als Säugling stirbt, hat auch Benjamin Button gelernt loszulassen.
David Fincher hat diesen Nachweis schon geführt: Statt Thriller wie „Sieben“ oder „Fight Club“ zu drehen, entschied er sich bei der dritten Zusammenarbeit mit Brad Pitt für einen Film über das kostbare Gut Zeit. 166 Minuten davon füllt er mit den ganz großen Gefühlen und tritt damit als designierter „Bester Regisseur“ aussichtsreich in gleich 13 Kategorien bei der „Oscar“-Verleihung an; unter anderem noch als „Bester Film“ mit „Bestem Hauptdarsteller“ und der „Besten Nebendarstellerin“.
Computertechnik ermöglichte es, die Kurzgeschichte von Weltliterat F. Scott Fitzgerald mit ein und demselben Akteur zu verfilmen; und auf dieser glaubhaften Arbeit von Maskenbildnern und Tricktechnikern fußt die Lehre von der Vergänglichkeit, deren sympathischer Sonderling „Forrest Gump“ oder „Big Fish“ nachfolgen will. Aber wie reimt doch Liedermacher Götz Widmann in Twains Namen: „Ein Leben, das als Orgasmus endet, war auf keinen Fall verschwendet.“
