Ewald Karl SchradeKarls­ruhe — Karls­ruhe und Kunst­messe, das hatte bis 2004 nur den Anfangs­buch­sta­ben gemein. Von 5. bis 8. März 2009 zeigt die „Art Karls­ruhe“ bereits zum sechs­ten Mal ihre erle­sene Melange aus klas­si­scher Moderne und Gegen­warts­kunst. Patrick Wurs­ter befragte Gale­rist und Kura­tor Ewald Karl Schr­ade zu neuen Posi­tio­nen, alten Zweif­lern und den Kunst­markt in Zei­ten der Krise.

???: In die­sem Jahr wer­den erst­mals alle Berei­che auf dem Messe-​​Gelände bespielt. Wel­chen Stel­len­wert mes­sen Sie der „größ­ten Gale­rie in Süd­deutsch­land“ mit Blick auf Köln und Basel inzwi­schen zu?
Ewald Karl Schr­ade: Die „Art Karls­ruhe“ ist auf Augenhöhe.

???: Eini­ges der neu hin­zu­ge­kom­me­nen Flä­che ist weni­ger den Expo­na­ten als viel­mehr den Besu­chern gewid­met. Hat sich das Kon­zept des Rund­gangs bewährt?
Schr­ade: Das neue Kon­zept ist auf­ge­gan­gen, die Hal­len sind alle gleich gut besucht. Es han­delt sich ja dabei um eine rein prak­ti­sche Ände­rung, die dem Besu­cher in dop­pel­ter Hin­sicht ent­ge­gen­kommt, und nicht um mehr Flä­che; also nicht um das Bespie­len des kom­plet­ten Raums, der auf der Messe zur Ver­fü­gung steht. Das gibt es näm­lich kei­nes­falls! Es ist eine neue Gewich­tung, eine Ver­la­ge­rung, die oben­drein mit der Len­kung des Publi­kums zu tun hat. Es geht fer­ner auch darum, inhalt­li­che Schlag­lich­ter der Messe noch deut­li­cher her­aus­zu­stel­len. Im ver­gan­ge­nen Jahr haben wir einen Anfang damit gemacht, dass die Anbie­ter von Auf­la­gen­ob­jek­ten räum­lich kon­zen­triert wor­den sind. Jetzt set­zen wir noch einen zwei­ten Akzent: die jüngste Kunst unter dem Titel „Neue Positionen“.

???: Die bezie­hen Sie mit dem „Ber­li­ner Block“. Sie haben außer­dem mit der Samm­lung von Arthur de Ganay der Foto­gra­fie ein Forum geben, das „Art­ima Art Mee­ting“ wurde frisch kon­zi­piert. Wel­che der Neue­run­gen berei­chert die „Art“ am meis­ten?
Schr­ade: Sie sind alle­samt eine Berei­che­rung. So hat zum Bei­spiel die Son­der­schau Arthur de Ganay den Blick mehr auf die Foto­gra­fie gelenkt. Die ganz aktu­elle Kunst zei­gen wir in der dm-​​Arena. Beson­ders freue ich mich natür­lich über den dort inte­grier­ten „Ber­li­ner Block“, also die Ver­tre­ter der 15 Künst­ler mit One-​​Artist-​​Shows, die vom Lan­des­ver­band Ber­li­ner Gale­rien orga­ni­siert und von einer unab­hän­gi­gen Jury aus­ge­wählt wur­den. Außer­dem för­dert der Ber­li­ner Senat das Pro­jekt. Das ist ein Mei­len­stein, der mich fas­zi­niert! Und mit den „Neuen Posi­tio­nen“ decken wir die Zeit von 1900 bis heute noch umfas­sen­der ab als in den ver­gan­ge­nen Jah­ren. Dazu hat die Öff­nung des Foy­ers der „Art Karls­ruhe“ nun auch ein der Ver­an­stal­tung ange­mes­se­nes Entrée.

???: Manch Karls­ru­her Gale­rist war mehr als skep­tisch, als Sie 2004 an den Start gin­gen. Wie groß ist da die Genug­tu­ung ange­sichts von 38.000 Kunst­freun­den bei der „Art“ 2008?
Schr­ade: Genug­tu­ung kenne ich nicht. Viel­mehr freue ich mich sehr dar­über, dass sich die Gale­ris­ten mitt­ler­weile auch ein­brin­gen. Sie pro­gnos­ti­zie­ren, der Besu­cher­re­kord aus dem ver­gan­ge­nen Jahr werde min­des­tens erreicht.

???: Warum kommt die „Art“ eigent­lich so gut beim Publi­kum an, wo sich doch andere der­ar­tige Mes­sen mit­un­ter ziem­lich schwer tun?
Schr­ade: Weil das Kon­zept ein­fach gut ist. Sowohl die Klas­si­sche Moderne als auch die moder­nen Klas­si­ker — bei­spiels­weise Kon­krete Kunst oder Infor­mel — sind her­vor­ra­gend aus­ge­baut und bil­den immer noch den Kern der Messe. Das Pro­gramm wird Jahr für Jahr attrak­ti­ver. Wir plat­zier­ten die bei­den The­men ja auch des­we­gen in Halle 1 und dm-​​Arena, weil diese idea­ler­weise direkt an Halle 2 bezie­hungs­weise 3 gren­zen. Dar­über hin­aus sind die Wege aus­ba­lan­ciert, weil es zwei Ein­gänge gibt statt nur einem. Wenn die Schlange links wächst, gehe ich zum rech­ten Ein­gang oder ent­scheide nach Inhalt: Zeit­ge­nös­si­sches rechts, Anbie­ter von Edi­tio­nen, Foto­gra­fie, Mul­ti­ples und Son­der­aus­stel­lun­gen links. Auch das ver­ste­hen wir unter ste­ti­gem, aber kon­trol­lier­tem Wachs­tum und wer­den fol­ge­rich­tig wei­ter­hin unser Ange­bot verfeinern.

???: Was bedeu­tet es Ihnen, dass die „Art“ nun auf dem Rei­se­plan der Bundes-​​Ankaufskommission steht?
Schr­ade: Ich freue mich, dass die „Art Karls­ruhe“ jetzt auch sozu­sa­gen von staats­we­gen mit Köln, Ber­lin, Lon­don und Basel auf Augen­höhe gese­hen und das nicht nur immer behaup­tet wird. Und beson­ders schön ist es, wenn dies jetzt auch von der höchs­ten Kul­tur­in­stanz gelebt wird.

???: Und wie viel ist die Kunst den Men­schen in Zei­ten der Finanz­krise wert?
Schr­ade: Wir ori­en­tie­ren uns an mit­tel­stän­di­schen Kunst­samm­lern und nicht an spe­ku­la­ti­ven Kunst­an­la­gen, des­halb wer­den wir nicht viel spü­ren. Men­schen, die mit der Kunst leben, brau­chen die Kunst — ob Krise oder nicht. Kunst ist ein Lebenselixier.