Die Firma - "Gesammelte Werke"Die Stra­ßen­jungs der Firma haben zehn Jahre nach dem Debüt-​​Klassiker „Spiel des Lebens/​Spiel des Todes“ längst ins Eigen­heim inves­tiert; wie sie wur­den, was sie sind — näm­lich die gran­dio­ses­ten HipHop-​​Heads des Lan­des — ist auf den „Gesam­mel­ten Wer­ken“ (Laco­sa­mia/​JWP 313/​Sony BMG) nach­zu­hö­ren.

Aus dem Under­ground gechar­tet, brin­gen es Pro­du­zent Fader Gla­dia­tor und die bei­den Rap­per Tat­waffe und Def Ben­ski (aka Daniel Sluga, Alex­an­der Tar­bo­ven und Ben Har­tung) mitt­ler­weile auf eine zehn­jäh­rige Fir­men­ge­schichte — jetzt gerafft auf Doppel-​​CD mit 41 Tracks aus fünf Alben; dar­un­ter die „Hits und Rari­tä­ten aus den Jah­ren 1998 — 2008″ zu jeder Menge Fea­tures und bis­her unge­hör­ter Remixe als Schnittmenge.

Zu Schaf­fens­pha­sen gebün­delt, star­tet die Zeit­reise der Crew vom Rhein anno ’98 mit „Aktio­näre“, in dem Curse, Luxus Chris, Rotz­löf­fel oder Geschäfts­part­ner Gianni mit der Firma an der Beat Street inves­tie­ren. Das Hei­del­ber­ger Rap-​​Urgestein Torch ent­flammt den Future-​​Rock-​​Remix der Casting-​​Abrechnung „Scheiß auf die Hookline“, auch „Nach­richt aus Uto­pia“ oder die wohl unver­klär­teste aller Lie­bes­num­mern, „Die Eine“, sind Pflicht­pro­gramm! Wer die defi­ni­tive Dua­li­tät der Dinge („Rien ne va plus“ und „Tanz der Toten“) hören will, muss aller­dings aufs Firma-​​Debüt zurückgreifen.

Sechs Tracks reprä­sen­tie­ren „Das zweite Kapi­tel“ von ’99; dar­un­ter der „Kampf der Tita­nen“ sowie die Gentleman-​​Kollabo „Das neue Jahr­hun­dert“ mit sei­nem inte­grier­ten Sample aus Mozarts 40er Sym­pho­nie in G-​​Moll. Auf der „Best Of“ ver­tre­ten ist auch die Single-​​Auskopplung „Kap der guten Hoff­nung“ und als ech­ter Samm­ler­bo­nus die Zusam­men­ar­beit mit Creme De La Creme auf dem Stück „Drei Chinesen“.

Fea­tures und Sam­pler­bei­träge prä­gen den Abschnitt „2000 — 2001″: Zwi­schen den Alben zwei und drei belie­fer­ten die drei nicht nur den Düs­sel­dor­fer Plat­ten­papzt mit dem wuch­ti­gen „Für die Stras­sen“, mach­ten von „Von Anfang an“ mit ihrem Gianni und Daddy Rings auf „Pow“ gemein­same Sache und kamen im „Cir­cus Maxi­mus“ von Fader Gla­dia­tors zwei­tem Solo-​​Album „Der innere Kreis“ zusam­men; und bei „Bang Your Head“ gibt’s ordent­lich auf die Mütze!

Noch lange „Kein Ende in Sicht“, die Stel­lung­nahme zu den Ter­ror­an­schlä­gen vom 11. Sep­tem­ber, mar­kiert den Anfang der zwei­ten Scheibe und ist wohl der zen­trale Song vom 2002er Release „Das dritte Auge“. Mit „Die Firma Saga“ boun­ced ein bis dato unver­öf­fent­lich­ter Track aus den Boxen, bevor Label-​​Mate Nesti und die Firma-​​Bwoys auf „Wir“ machen. Tat­waf­fes ers­tes Solo-​​Album bil­det mit der Kopf-​​Hoch-​​Hymne „So viel mehr“ und der musi­ka­li­schen Ver­ar­bei­tung des Ver­lusts sei­ner Groß­mut­ter („Wir ver­mis­sen dich“) emo­tio­nal die Jahre „2003 — 2004″ ab.

Auch auf „Krieg und Frie­den“ mischen sich Hardcore-​​Produktionen unter kom­mer­zi­ell Aus­ge­rich­te­te­res. Die Neu­auf­lage von „Die Eine“, die mit dem Zusatz „2005“ Platin-​​Status erreicht hat, ist viel­leicht schon etwas abge­nutzt; erfreu­li­cher schon der songprä­gende Kin­der­chor von „Spiel des Lebens“ und erst recht das bom­bas­ti­sche „Die Firma II“, „Ehr­lich“ oder die Hater-​​Abrechnung „Gelieb­ter Feind“ mit Moses Pelham.

„2006“ kam Nes­tis „Vier Jah­res­zei­ten“ raus und mit ihm das Feel-​​Good-​​Firma-​​Feature „Irgend­wann“, das bei den Lacosamia-​​Inhabern ein Jahr spä­ter die „Gol­de­nen Zei­ten“ ein­ge­läu­tet hat: Zwi­schen einer Über­do­sis „Glück­s­prin­zip“ und „Wun­der“ — der legi­time Nach­fol­ger von „Die Eine 2005″ — hilft die bra­chiale, mit E-​​Gitarrensaiten ange­sägte „Scheiß auf die Hookline“-Fortsetzung wie­der runterzukommen.

Mit C.J. Tay­lor hat man außer­dem einen gut gemein­ten „Wunsch­zet­tel“ geschrie­ben und sich mit dem Juice-​​Exclusive „Die Firma 3.0″ mal eben selbst upge­gra­det; sti­lis­tisch hätte hier auch „Hip­Hop“ noch ein ange­neh­mes Gegen­ge­wicht zur 2007 aus­ar­ten­den Eier­ku­chen­men­ta­li­tät gege­ben, ebenso der „Punch“ vom „Krieg und Frieden“-Album und natür­lich die Kol­la­bo­ra­tion mit den Köl­ner Kol­le­gen von der Micro­phone Mafia, „Nie­mand kann uns stop­pen“, wäre der Hin­hö­rer im Rari­tä­ten­ka­bi­nett. Aber es gibt kla­rere Ange­le­gen­hei­ten, als die ulti­ma­tive Essenz aus den Pro­duk­tio­nen die­ses Groß­un­ter­neh­mens zu sie­ben, des­sen reprä­sen­ta­tive Retro­spek­tive auch ohne die ganz per­sön­li­chen Lieb­lings­num­mern ein tod­si­che­rer All-​​Time-​​Anlagetipp ist!