Mein Traum oder Die Einsamkeit ist nie alleinAls „Uni­kum in der deut­schen Kino­land­schaft“ bezeich­net sie die „Süd­deut­sche“. Denn die Truppe um (Theater-)Regisseur Roland Reber macht Independent-​​Kino der ganz ande­ren Art und das ist gerne auch angli­zis­tisch zu ver­ste­hen. Abseits staat­lich kon­trol­lier­ter Film­för­de­rung ent­ste­hen aus­ge­flippte Seelen(s)trips. Nach „24/​7″ haben die Damen und Her­ren der WTP-​​Filmproduktion jetzt ihren zwei­ten Kino­film auf DVD.

Haupt­ak­teur ist dies­mal ein ver­trau­tes Gesicht: Wolf­gang Sei­den­berg, der seit 1994 den Klemp­ner­meis­ter Frank Töp­pers im „Mari­en­hof“ dar­stellt. Er ist schlicht der Mann; ein Namen­lo­ser, der die Ehe­wüste an der Seite sei­ner Frau (Marina Anna Eich) durch­lau­fen hat und flieht vor den ewi­gen Wie­der­ho­lun­gen, den in ihn gesetz­ten Erwar­tun­gen, dem Ein­ge­bun­den­sein in Fremd– und Selbst­zwänge. Auf einem still­ge­leg­ten Fabrik­ge­lände trifft er Godot (Mira Gitt­ner), die im Weg gewor­fe­nen nach Ein­ge­bung sucht. Zusam­men mit ihr wühlt er im Abfall des Lebens und stößt dabei auf den ange­sam­mel­ten Müll in sei­nem Innersten.

Der Mann zappt in sur­real gehal­te­nen Bil­dern durch seine Ver­gan­gen­heit wie durch die Pro­gramme unse­rer Medi­en­land­schaft; vom Stumm­film zur Talk­show, vom Com­pu­ter­spiel zum Bil­dungs­fern­se­hen. Über ihn und die gro­teske Sen­dung „Nur die Ein­sam­keit zählt“ begibt sich Kino-​​Buddha Reber wie­der auf phi­lo­so­phi­sche Sinn­su­che zwi­schen Rot­käpp­chen, in der Kloake trei­ben­den Gummi-​​Inseln, einer holo­caust­leug­nen­den Vater­fi­gur und einem ätzen­den Hit­ler aus der Tonne („Mari­en­hof­ler“ Sven Thie­mann), der unge­niert Juden­spott absondert.

In einer schril­len Num­mern­re­vue, die sich als poetisch-​​prätentiöser Mix aus absur­dem Thea­ter, expe­ri­men­tel­ler Video-​​Installation, TV-​​Satire und Psy­cho­the­ra­pie­sit­zung ver­dich­tet, straft Reber die mas­sen­me­diale Unter­hal­tungs­kul­tur unse­rer Tage. An die Insze­nie­rung eines sol­chen Stücks thea­tra­li­scher Kino­kunst wagt sich außer ihm hier­zu­lande kei­ner. Das ist und bleibt in der deut­schen Film­land­schaft ein­zig­ar­tig — gerade ob sei­nes Wiederholungsfaktors.