Olli Schulz - "Es brennt so schön"Der Kas­per lässt das Albern nicht? Olli Schulz kon­ter­ka­riert die jüngst um sich grei­fende Ernst­haf­tig­keit, indem er die Sesam­straße auf den Dance­floor holt und mit sei­nem „Ballermann-​​Hit von jeman­dem mit Schul­ab­schluss“ der Nation bei Metz­ger­meis­ter Raabs „BuVi­SoCo“ den „Bibo“ macht.

„…und das UFO und den Grobi!“ (für den ist Raab mit sei­ner Kau­leiste ja prä­des­ti­niert) und ein biss­chen „Uh uh“-Freestyle hin­ter­her — Platz fünf für seine Hei­mat­stadt Ham­burg. Abge­se­hen von sei­nen die Cho­reo­gra­fie voll­füh­ren­den Ama­teur­tän­zern steht der Wahl-​​Berliner aber ziem­lich alleine da, vor allem auf’m Cover: Mit­strei­ter Max Schrö­der aka Der Hund Marie ist fest bei Tomte ein­ge­spannt, ersetzte dort ver­gan­ge­nes Jahr Timo Boden­stein am Schlag­zeug. Und des­halb ist „Es brennt so schön“ (Colum­bia Ber­lin/​Sony BMG) Schulz‘ erste Solo­platte geworden.

Gis­bert zu Kny­phau­sen, Lee Bud­dah, Bernd Bege­mann und Chris­tian Haake von Home Of The Lame (die ihn voll­ver­sam­melt auf Tour beglei­ten), tra­gen aber dafür Sorge, dass der Viert­ling mehr denn je nach Ban­dal­bum klingt. Die Reg­ler teil­ten sich GHvC-​​Hausmischer Swen Meyer, der mit Olli Schulz seit sei­ner ers­ten Platte „Brichst du mir das Herz, dann brech ich dir die Beine“ arbei­tet, und der Live-​​Verfechter Moses Schnei­der, Pro­du­zent des ähn­lich pom­pös ein­ge­spiel­ten Vor­gän­gers „War­ten auf den Bume­rang“.

Denn vom gitar­re­spie­len­den Ein-​​Mann-​​Unterhalter ist Schulz mitt­ler­weile so weit weg, wie’s nur geht. Statt­des­sen macht er sich gleich im pia­no­ge­trie­be­nen, ange­rock­ten Eröff­nungs­song mit Zei­len wie „Die Guten, die blu­ten, weil die Schlech­ten sie knech­ten und der Rest stirbt lang­sam aus“ sei­nen eige­nen Reim auf die all­ge­meine Misere („Ab jetzt tut’s nur noch weh“) — und stellt dann ver­bit­tert fest, dass im Grunde eh längst alles ver­ra­ten und ver­kauft ist („All You Can Eat“).

Dazu noch Lebens­weis­hei­ten wie etwa jene, dass man „So lang ein­sam“ ist, „bis man lernt, allein zu sein“, ein biss­chen herz­schmer­zen­des Drama ist Pflicht („Wie sie“ oder das Mark-​​Knopfler-​​Licks-​​triefige „Isa­bell“) und mäch­ti­ger Pathos mitt­ler­weile auch („Ewig leben“). Das belang­los swin­gende „Wenn die Sonne wie­der scheint“ ist nur des Hid­den Tracks wegen der Erwäh­nung wert, der „Bibo“ läuft außer Konkurrenz.

Dass es Olli Schulz inzwi­schen viel­leicht auch ganz alleine könnte, deu­tet das ver­zü­ckend leise Singer/​Songwriter-​​Stück „Bloß Freunde“ an; und beim „Geheim­dienst“ bekom­men wir dann auch noch das schrullig-​​schön-​​abseitig Gedachte in einer lei­der leicht lang­wei­li­gen Pop­num­mer geflüs­tert. Aber Schulz nimmt ein ein­zi­ges Mal die Deckung run­ter. Und hin­ter den gesam­mel­ten Trä­nen aus Wut, Frust und Ent­täu­schung kommt unser trau­ri­ger Clown zum Vor­schein, der trotz eines sau­ber gesetz­ten Tref­fers künf­tig gerne wie­der mehr auf die eigene Stärke bauen darf.