23. April 2009
Dorfpunks
Der Punk ist noch lange nicht tot in Rocko Schamonis Kultroman. Auf diesen Schmalenstedter Sommer ’84 blickt nun Regisseur Lars Jessen zurück. In der nur notdürftig verfremdeten Autobiografie heißt das sich durch eine ungeliebte Lehre töpfernde Studio-Braun-Mitglied Roddy Dangerblood (Cecil von Renner), noch wohnhaft im liberalen Elternhaus.
Das eigentliche Leben spielt sich bei seinen „Dorfpunks“ ab, bei Dosenbier und Tapedeck im Waldlager, beim Pogo in der Dorfdisse, bei ausartenden Hauspartys, Träumen von Mädels und Musik, Bürgerprovokation und Nazistress.
Sie wachsen auf wie alle Nichtkonformen auf dem Lande es immer noch tun und so mengen sich die episodenhaften Geschichten zu einer Coming-Of-Age-Komödie, die in Bild und Tonalität ihre Sache trifft: No Future oder Zukunft? Stay or go? Besetzen oder besitzen?
Dafür bürgt neben dem Laien-Ensemble auch der Soundtrack mit Fehlfarben, Slime oder Buzzcocks; und das popperschweingesteuerte 1er Golf Cabrio darf schließlich symbolträchtig die gesamte Bewegung an die Wand fahren. Das kann denn selbst eine Philosophie der Verweigerung nicht mehr verhindern.
