My Bloody Valentine 3DDer Hor­ror bekommt eine neue Dimen­sion. Was wie ein aus­ge­lutsch­ter Wer­be­slo­gan klingt, ist beim Remake des kana­di­schen Low-​​Budget-​​Streifens „My Bloody Valen­tine“ wört­lich zu neh­men: Erst­mals seit den 80ern fei­ert wie­der ein Splatter-​​Movie Kino-​​Premiere im 3-​​D-​​Format.

Als Tom Han­nin­ger (Jen­sen Ack­les) zehn Jahre nach­dem er das Valentinstag-​​Massaker über­lebt hat in seine Hei­mat­stadt Har­mony zurück­kehrt, schlägt der schnau­fende Spitzhacken-​​Killer im Minen­ar­bei­ter­dress wie­der zu. Seine dama­lige Freun­din und amtie­rende She­riffs­gat­tin Sarah (Jaime King) kann sich nicht lange am Traum­mann von einst ergöt­zen: Tom ist haupt­ver­däch­tig, dabei wurde der durch ein Gru­ben­un­glück trau­ma­ti­sierte und sei­ner­zeit amok­lau­fende Berg­mann Harry War­den nie gefasst…

My Bloody Valentine 3DAls Cut­ter hat er so man­ches von Wes Cra­vens neue­ren Wer­ken geschnit­ten; der somit im Leinwand-​​Grusel erfah­rene Regis­seur Patrick Lus­sier ist augen­schein­lich Hand­wer­ker und gibt sich gar nicht erst groß Mühe, allzu viel Dra­ma­tur­gie und Logik ins Skript ein­flie­ßen zu las­sen. Er ent­wi­ckelt Geschichte und Per­so­na­lien nur der Form hal­ber, wäh­rend bin­nen 100 Film­mi­nu­ten eine halbe Hun­dert­schaft zer­legt wird. Leich­ter fal­len ihm schon lange, lang­same Kame­ra­fahr­ten, die klaus­tro­pho­bi­sche Atmo­sphäre im Berg­werk­stol­len verströmen.

Und er weiß mit der Tie­fen­wir­kung der neuen digi­ta­len 3D-​​Technik umzu­ge­hen, die gegen­über dem her­kömm­li­chen Rot/​Grün-​​Verfahren ste­reo­sko­pi­sche Bil­der mit per­fek­tem Rau­mein­druck und damit plas­ti­sche Schock­ef­fekte erzeugt. Lus­sier splat­tert und slasht ohne viel Scho­nung, zeigt abge­trennte Kinn­la­den, her­aus­ge­ris­sene Her­zen und eine split­ter­nackte Schön­heit samt ihrer Run­dun­gen ziem­lich expli­zit. Mit ande­ren schar­fen und spit­zen Gegen­stän­den, die allent­hal­ben unver­hofft in den Kino­saal hin­ein­ra­gen, Glied­ma­ßen oder Gewehr­ku­geln prüft er die Abwehr­re­flexe des bebrill­ten Publikums.

My Bloody Valentine 3DAuch das Remake bleibt eine B-​​Produktion und auf die dritte Dimen­sion ange­wie­sen, um nicht direkt in den Video­the­ken­re­ga­len zu ver­schwin­den. Lang­fris­tig, da muss man sich der Ein­schät­zung von „Spie­gel Online“ anschlie­ßen, kann die 3D-​​Kinokunst im zwei­ten Anlauf „nur über­le­ben, wenn sie sich vom phal­li­schen Dik­tat befreit“. Aber das vor­nehm­li­che Ziel — und damit dem Por­no­film nicht ganz unähn­lich — ist noch die visu­elle Sti­mu­la­tion an ein­zel­nen Sequen­zen. Fürs Erste dürf­ten Gen­re­freunde des­halb ganz gut leben mit der Ansage: Spitze, Hacke, eins-​​zwei-​​drei!