20. Mai 2009
My Bloody Valentine 3D
Der Horror bekommt eine neue Dimension. Was wie ein ausgelutschter Werbeslogan klingt, ist beim Remake des kanadischen Low-Budget-Streifens „My Bloody Valentine“ wörtlich zu nehmen: Erstmals seit den 80ern feiert wieder ein Splatter-Movie Kino-Premiere im 3-D-Format.
Als Tom Hanninger (Jensen Ackles) zehn Jahre nachdem er das Valentinstag-Massaker überlebt hat in seine Heimatstadt Harmony zurückkehrt, schlägt der schnaufende Spitzhacken-Killer im Minenarbeiterdress wieder zu. Seine damalige Freundin und amtierende Sheriffsgattin Sarah (Jaime King) kann sich nicht lange am Traummann von einst ergötzen: Tom ist hauptverdächtig, dabei wurde der durch ein Grubenunglück traumatisierte und seinerzeit amoklaufende Bergmann Harry Warden nie gefasst…
Als Cutter hat er so manches von Wes Cravens neueren Werken geschnitten; der somit im Leinwand-Grusel erfahrene Regisseur Patrick Lussier ist augenscheinlich Handwerker und gibt sich gar nicht erst groß Mühe, allzu viel Dramaturgie und Logik ins Skript einfließen zu lassen. Er entwickelt Geschichte und Personalien nur der Form halber, während binnen 100 Filmminuten eine halbe Hundertschaft zerlegt wird. Leichter fallen ihm schon lange, langsame Kamerafahrten, die klaustrophobische Atmosphäre im Bergwerkstollen verströmen.
Und er weiß mit der Tiefenwirkung der neuen digitalen 3D-Technik umzugehen, die gegenüber dem herkömmlichen Rot/Grün-Verfahren stereoskopische Bilder mit perfektem Raumeindruck und damit plastische Schockeffekte erzeugt. Lussier splattert und slasht ohne viel Schonung, zeigt abgetrennte Kinnladen, herausgerissene Herzen und eine splitternackte Schönheit samt ihrer Rundungen ziemlich explizit. Mit anderen scharfen und spitzen Gegenständen, die allenthalben unverhofft in den Kinosaal hineinragen, Gliedmaßen oder Gewehrkugeln prüft er die Abwehrreflexe des bebrillten Publikums.
Auch das Remake bleibt eine B-Produktion und auf die dritte Dimension angewiesen, um nicht direkt in den Videothekenregalen zu verschwinden. Langfristig, da muss man sich der Einschätzung von „Spiegel Online“ anschließen, kann die 3D-Kinokunst im zweiten Anlauf „nur überleben, wenn sie sich vom phallischen Diktat befreit“. Aber das vornehmliche Ziel – und damit dem Pornofilm nicht ganz unähnlich – ist noch die visuelle Stimulation an einzelnen Sequenzen. Fürs Erste dürften Genrefreunde deshalb ganz gut leben mit der Ansage: Spitze, Hacke, eins-zwei-drei!
