15. Oktober 2009

Waltz With Bashir

Politischer Zeichentrick ist selten, aber nicht neu. Ari Folman kann sich trotzdem rühmen. Sein "Waltz With Bashir" (Pandora Film/Alive) gilt als erste animierte Doku in Spielfilmlänge. Mit Bildern im Comicstil visualisiert er das jüngst noch für den Auslands-"Oscar" nominierte und mit dem "Golden Globe" ausgezeichnete Kriegstrauma.

26 Höllenhunde jagen durch die blaugrauen Straßen; Nacht für Nacht wird der alte Freund des israelischen Regisseurs von einem Alptraum verfolgt. Mit dieser verängstigenden Sequenz eröffnet Folman und tastet sich über 90 Minuten an den im September 1982 liegenden Kern: das Massaker von christlichen Milizen an palästinensischen Flüchtlingen im Libanon, bei dem sie seinerzeit alle Zeugen wurden.

Ari hat im Gegensatz zu seinem Gefährten jegliche Erinnerung an das Blutbad verdrängt, mit dem die Ermordung des libanesischen Präsidenten Bachir Gemayel (auf den der Titel anspielt) gesühnt werden sollte. Er beschließt deshalb, die übrigen Kameraden aufzusuchen. Und je mehr er sich mit der Vergangenheit der anderen auseinandersetzt, desto klarer bricht sich die eigene Geschichte in surrealen Sequenzen Bahn in sein Bewusstsein.

Ähnlich wie "Persepolis", die 2007 verfilmten Kultcomics der Iranerin Marjane Satrapi, hat "Waltz With Bashir" autobiographischen Unterbau. Doch Folman setzt auf eine Kombination, die so noch nicht da war: Er zeichnet die als Realfilm gedrehten Interviews Bild für Bild nach und bettet sie in klassischer Doku-Manier in die übrigen Szenen ein, die irgendwo zwischen Wahrheit und Fantasietrip irrlichtern.

Was hier mit Alpträumen und Halluzinationen beginnt, wird immer konkreter - bis am Schluss eine 50-sekündige Archivsequenz völlig unvermittelt mitten ins Mark trifft, indem sie zu den realen Opfern des Massakers umschwenkt. Stilistischer Bruch und nachhaltiger Schlusspunkt eines Films, der ob seiner Machart nicht nur als einer der ungewöhnlichsten des Jahres 2008 in Erinnerung bleibt.



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