11. Juni 2009
Der entsorgte Vater
„Mutterliebe ist kinoträchtig, Vaterliebe nicht“, schrieb Matthias Matussek in seiner 1997 erschienenen Polemik „Über feministische Muttermacht und Kinder als Trümpfe im Geschlechterkampf“. Doch nicht jeder Mann kann sich so wehren wie der „Spiegel“-Autor. Ein Douglas Wolfsperger schon.
Seit mehr als fünf Jahren durchlebt auch der Dokufilmer die besondere Spielart des Rosenkriegs getrennt lebender Eltern: Seine ehemalige Lebensgefährtin setzt alles daran, den Kontakt zwischen Vater und Tochter zu boykottieren; bis er ihm schließlich per Gerichtsentscheid zum Wohle des Kindes verwehrt wird. Wolfsperger muss sich von Hanna verabschieden, und zwar endgültig.
Seine Verzweiflung, nicht mehr Vater sein zu dürfen, nimmt Wolfsperger zum Anlass für ein sehr persönliches Porträt – von sich selbst und vier verhinderten Vätern aus der Karlsruher Gegend, darunter auch Franzjörg Krieg, dem Gründer des Vereins Väteraufbruch für Kinder. Und über die 86 Minuten ist der Filmemacher als Betroffener gleichwertiger Teil der eigenen Dokumentation.
Auf seiner vorerst letzten Reise zur Tochter lässt Wolfsperger Männer zu Wort kommen, denen nicht nur der Umgang mit dem gemeinsamen Nachwuchs durch die Mutter verwehrt wird, sondern die darüber hinaus auch noch gegen Ämter und Verleumdungen zu kämpfen haben. Wütend, enttäuscht, traurig und manchmal auch ein bisschen naiv (aber gerade deshalb so authentisch) schildern Krieg, Harald Merker, Bernd „Benni“ Sosna und Ralf Bähringer, der als einziger Kontakt zu seinen Kindern hat, ihr Entfremdungsdilemma; eine Mutter begründet die Umgangsverweigerung mit dem „Erzeuger“ aus ihrer Sicht.
Fürs vollständige Bild fehlen natürlich die vermeintlich unverbesserlichen Hälften, die sich nicht bitten ließen. Die Objektivität stellt Wolfsperger hinten an. Und dafür kann man eigentlich nicht genug Verständnis haben.
