Peter Fox (Foto: Andreas Arndt/www.andifried.com)Karls­ruhe — Sein Name ist schon in aller Munde, als offi­zi­ell noch gar nicht bekannt gege­ben wer­den darf, dass Peter Fox nach sei­nem Auf­tritt bei den „Hip­Hop Open“ auf dem Vor­platz des Mann­hei­mer Barock­schlos­ses nur eine Woche spä­ter ohne Ein­tritts­geld und wenige Kilo­me­ter ent­fernt zu hören und vor allem zu sehen sein wird.

Eine halbe Stunde lässt der Rot­schopf aus Ber­lin die am „Fest“-Sonn­tag­abend bre­chend volle Klotze war­ten; und von 21.30 Uhr an macht er ihn end­lich, sei­nen „Stadt­af­fen“ — doch die ganz große Party bleibt aus. Peter Fox aka Pierre Bai­gorry hat sich auf Solo­pfa­den vom Sound des Dancehall-​​Elfers Seeed ent­fernt; arbei­tet viel mit vor­der­grün­di­gen Strei­chern, fet­ten Blä­sern und einer gro­ßen Trommlersektion.

Die Cold Steel Drum­mer aus North Caro­lina sind auf der Bühne mit ihren im phos­pho­res­zie­ren­den Neon­grün gehal­te­nen Sticks neben den bizarr anmu­ten­den Affen­mas­ken­trä­gern der Hin­ku­cker! Und ebenso wie sein Solo­gang erst nach der Sin­gle­aus­kopp­lung „Haus am See“ mit ihren süß­li­chen Vio­li­nen auf der Suche nach ein wenig Lan­d­idylle gezün­det hat, dau­ert es auch im Mikro­kos­mos „Fest“ — bis er die ein­gän­gi­ge­ren Takte anschla­gen lässt. Und text­lich ist Peter Fox sowieso ziem­lich ambivalent.

Fox gibt sich haupt­städ­tisch abgeklärt

Das schön-​​schreckliche wabernde „Schwarz zu blau“, wahr­schein­lich eines der wahrs­ten Lie­der, die je über Kreuz­ber­ger und andere Groß­stadt­nächte geschrie­ben wur­den und Fox den Sieg bei Ste­fan Raabs „Bun­des­vi­sion Song Con­test“ bescher­ten, funk­tio­niert dann auch trotz der düs­te­ren Aura, die bedroh­li­che Welt­un­ter­gangs­stim­mung von der Bühne haucht. Hal­ten kann sich der Asphalt-​​Geruch nicht lange, denn der Haupt­ak­teur wir­belt schon wie­der wie wild mit dem schwar­zen Hand­tuch, wäh­rend hin­ter sei­nem Rücken zum „Zwei­ten Gesicht“ ein über­di­men­sio­nier­tes Augen­paar gift­grüne Bli­cke auf den bis zum letz­ten Platz besetz­ten Hügel wirft.

Der lässt ihn bei sei­nem drit­ten Vor­bei­schauen in Karls­ruhe seit 2003 aber ganz offen­sicht­lich ebenso unbe­ein­druckt wie die Mas­sen, die sich sei­net­we­gen hier auf engs­tem Raum zusam­men­ge­pfercht haben. Fox gibt sich haupt­städ­tisch abge­klärt. Man muss nicht unbe­dingt über­emp­find­lich sein, um Kom­men­tare wie „ihr da auf dem Berg Klotz oder wie das Ding heißt“ als affig zu ver­ur­tei­len; erst recht nach­dem die „Fest“-Aufnahmen vom Gig 2006 die Seeed-​​Live-​​DVD prägen.

Für eine solch aus­ge­las­sene Stim­mung wie noch drei Jahre zuvor ist der Sound jeden­falls trotz per­fekt orches­trier­ten Stü­cken, Single-​​Hits („Alles neu“), Fei­er­num­mern („Schüt­tel dei­nen Speck“) samt aus­ge­feil­ter Büh­nen­per­for­mance und flan­kie­ren­der Light­show ein­fach zu sper­rig. Erst bei den Seeed-​​Tracks „Auf­ste­hen“ und „Dickes B“ wird vie­les anders und siehe — da sind die Hände! Zeit, um die gefühl­ten 100.000 plus noch ordent­lich in Wal­lung zu brin­gen, bleibt nicht mehr; aber für mehr als Fox-​​Trott wäre ja ohne­hin kein Platz gewesen.