Strafraum - Ein KSC-Krimi
Fußball und Krimi sind eigentlich zwei naheliegende Begriffe. Holger Nicklas und Johannes Hucke haben sie mal ganz wörtlich genommen und den Schuss ins Blaue gewagt: "Strafraum" (Info Verlag, Lindemanns Bibliothek Band 68) heißt ihr KSC-Roman.Die Fiktion setzt uns auf die Tribüne einer nicht näher definierten Nach-Klinsi-Ära, die für den Sportclub eine bessere, hochklassigere Zukunft bereithält: Europapokal statt Zweitliga-Tristesse. Die Stars heißen nicht mehr Kahn, Häßler, Metz und Kirjakow, sondern Loos, Klotzke, Nujic und Jan Greiner. Der beißt im Spiel gegen die Hertha nach einem harmlosen Foul ins Gras.
Seine Freundin Silvia und Kumpel Pike glauben nicht an die Herzversagen-Diagnose von Mannschaftsarzt Jost Klüber und können die Karlsruher Ermittler Uwe Steiner und Daniela Kämmerer überzeugen, dass hier nachgeholfen wurde. Und unter dem Stadionrasen im Wildpark tut sich bald ein Sumpf aus Spielmanipulation und Doping auf.
Nicklas und Hucke machen bei ihrer Stadionberichterstattung das, was spätestens seit Herbert Zimmermann jeden guten Rundfunkreporter auszeichnet: Sie vermitteln die Dramatik, die Stimmung und das Geschehen, sind des Hörers Auge. Außerhalb des Platzes stricken sie aus den konsequent mit Fußballlehrbuchbegrifflichkeiten überschriebenen Kapiteln über 214 Seiten eine Räuber-und-Gendarm-Geschichte, die es zumindest mit den inzwischen zahllosen anderen Regionalkrimis aufnehmen kann.
Dass der KSC dabei auch jeder andere x-beliebige Bundesligaverein und die Szenerie ebenso gut in Bielefeld angesiedelt sein könnte, ohne viel umzuschreiben, ist nicht spielentscheidend (aber vielleicht ein Vermarktungstipp?); auch, weil das Autoren-Duo im Finale gegen Atletico Madrid (!) mit ihren Schilderungen tatsächlich Gänsehautatmo aufbaut, die packt. Muss man also nicht zwingend kicken können, um die hohe Fußballkunst zu beherrschen.
Labels: Buch

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