13. August 2009
Coraline
Der Irrtum, Tim Burton habe bei „Nightmare Before Christmas“ Regie geführt, ist weit verbreitet. Hier war ein anderer Phantast am Werk: Und wenn sich dieser Henry Selick jetzt Neil Gaimans Fantasy-Grusel „Coraline“ vorknöpft, ist klar, wohin die Reise geht. Titelheldin des surrealen Stop-Motion-Märchens ist die elfjährige Coraline Jones, gerade umgezogen und von vielbeschäftigten Eltern wenig beachtet. Da dauert es nicht lange und das Mädchen macht auf Entdeckungstour eine Geheimtür ausfindig, hinter der sich die spektakulär-spaßige Version ihres tristen Lebens verbirgt.
In dieser Parallelwelt leuchten die Farben, es stehen Pizza und Creme-Muffins auf dem Mittagstisch und ihre anderen Eltern sind warmherzige Abbilder (von den schwarzen Knöpfen auf den Augen mal abgesehen). Der Alltag scheint hier eine endlose Zirkusvorstellung — bis Coraline Nadel und Faden geschenkt bekommt…
Die „Alice im Wunderland“-Variante ist der erste Animationsfilm seiner Machart, der für 3D konzipiert ist, doch die verqueren Visionen bestechen bereits in zwei Dimensionen durch ihr eigenwilliges Design. Und wenn sich die Figuren allmählich zu Fratzen verziehen, bekommt „Coraline“ die schaurige Gothic-Ästhetik von Selicks früherer Stop-Motion-Referenz. Diese hier dürfte ihm keiner streitig machen.
