Kangaroo Digital AudioKarlsdorf-​​Neuthard — Warum aus­ge­rech­net das beschau­li­che Karls­dorf zu einem Mekka der Ton­stu­dios gewor­den ist, das wis­sen die Zanki-​​Brüder auch nicht. Gleich sechs Stück wer­keln mitt­ler­weile in der 10.000-Seelen-Gemeinde mit dem güns­tig gele­ge­nen Auto­bahn­an­schluss — und sie, die einst aus dem kroa­ti­schen Zadar ins Bruch­sa­ler Umland über­ge­sie­delt sind, waren die ersten.

Nur zwei Jahre nach­dem es die bei­den Musi­ker, Song­wri­ter und Pro­du­zen­ten Edo und Vilko Mitte der 70er in einer ehe­ma­li­gen Zigar­ren­fa­brik wie­der anstän­dig qual­men las­sen, haben allein in der Bahn­hof­straße vier Ton­stu­dios auf­ge­macht. Das der Zan­kis — Kan­ga­roo Digi­tal Audio — dürfte den­noch das bekann­teste sein. Als in den 90ern deut­scher Rap, Soul und R’n’B ein wich­ti­ger Teil der deut­schen Pop­mu­sik wer­den, ist Edo mit­ten­drin im Schmelz­tie­gel. Und so hat im Lauf der Jahre schon man­cher große Name in Karls­dorf die Stimme erho­ben: Xavier Nai­doo, die Söhne Mann­heims, Ulla Meine­cke oder Her­bert Grö­ne­meyer lie­ßen hier Alben pro­du­zie­ren; Anfang Sep­tem­ber 2008 kam Sasha, um von den Zan­kis und Hau­sin­ge­nieur Tho­mas Mark sein Album „Good News On A Bad Day“ auf­neh­men und abmi­schen zu lassen.

„Pop-​​, Rock-​​, und Soul-​​Schallplatten wer­den bei uns ebenso ein­ge­spielt wie Welt­mu­sik– und Jaz­zal­ben“, erzählt Edo Zanki. „Wie viele Leute bei uns arbei­ten, hängt dann immer vom jewei­li­gen Pro­jekt ab — das geht bei uns vie­ren los und kann bis zu 20 Per­so­nen gehen.“ Zum Team um sei­nen Bru­der und den Ton­in­ge­nieur zählt näm­lich noch Mela­nie Greu­lich, die an der Mann­hei­mer Pop­aka­de­mie im sechs­ten Semes­ter Musik­busi­ness stu­diert und ansons­ten in Karls­dorf die Musik­fa­brik managt.

„Für solch ein Pult kau­fen sich andere ein Einfamilienhaus“

Die befin­det sich seit 1982 in einem ehe­ma­li­gen Kino in der Bahn­hof­straße 6. „Wir sind hier mit­ten im Wohn­ge­biet und muss­ten zur Schall­iso­lie­rung ein Haus im Haus bauen“, blickt Vilko Zanki zurück. Zwei Regie­räume mit ana­lo­gem und digi­ta­lem Misch­pult umge­ben jetzt den etwa 110 Qua­drat­me­ter gro­ßen und bis zu sechs Meter hohen Auf­nah­meraum. „Für solch ein Pult kau­fen sich andere ein schö­nes Ein­fa­mi­li­en­haus“, ver­deut­licht Edo Zanki die Dimen­sio­nen und will gleich­zei­tig „Schwel­len­angst abbauen“.

Edo ZankiDenn das Equip­ment soll in sei­nem Geschäfts­mo­dell auch für klei­nere Band­geld­beu­tel finan­zier­bar sein: „Wir sind nicht die Gut­men­schen aus Karls­dorf, aber die spä­te­ren Sashas müs­sen schließ­lich auch ihre Gele­gen­hei­ten bekom­men“, bekräf­tigt Edo. „Behilf­lich sein“, wie es Bru­der Vilko aus­drückt. Und er sagt es so, dass man zu kei­nem Moment an der Ehr­lich­keit die­ser Aus­sage zwei­feln kann und ein Gefühl davon bekommt, warum die bei­den unter Kol­le­gen ein so hohes Anse­hen als Men­schen wie Musi­ker genießen.

Der Künst­ler­auf­bau ist ebenso ein wich­ti­ger Teil des Zanki-​​Alltags. Dafür und die anschlie­ßende Ver­öf­fent­li­chung ist das haus­in­terne Label Bro­ther Records zustän­dig. Von der lang­jäh­ri­gen Erfah­rung in dem freien Team aus Ton­in­ge­nieu­ren, Pro­du­zen­ten, Musi­kern und Song­wri­tern pro­fi­tiert der­zeit zum Bei­spiel Nata­lie Anelly. Die 21-​​jährige Sän­ge­rin ver­steht ihr Mund­werk, auch das ist dem fast fer­tig­ge­stell­ten Debüt anzu­hö­ren. Für ihre bei Kan­ga­roo Digi­tal Audio pro­du­zier­ten pop­pi­gen R’n’B-Songs suchen die Zanki-​​Brüder der­zeit noch den pas­sen­den Vertrieb.

Die mas­sive Kon­kur­renz im Dorf sehen die Brü­der völ­lig entspannt

Außer­dem im Stu­dio inte­griert ist der Sta­blo Musik­ver­lag, der sich als Gema-​​Mitglied um die Kom­po­nis­ten, Tex­ter und deren Auto­ren­rechte küm­mert. „Man kann bei uns ebenso gut nur einen Auf­nah­meraum buchen oder das Kom­plett­pa­ket“, umreißt Edo Zanki sein Ange­bot­spek­trum, das die „schwär­zeste Stimme Deutsch­lands“ für seine Soul-​​Alben wie das bald erschei­nende „Die Bewe­gun­gen sind lächer­lich, aber das Gefühl ist maxi­mal!“ natür­lich auch selbst in Anspruch nimmt.

Wer ob der drei Geschäfts­be­rei­che in den Beu­tel­tier­na­men des Stu­dios zu viel hin­ein­in­ter­pre­tiert, liegt übri­gens falsch. „Das mit dem Kän­guru kommt von einem damals gar nicht ernst gemein­ten Vor­schlag unse­res Freun­des und Foto­gra­fen Jim Rakete“, lacht Vilko Zanki. Und auch auf die mas­sive Kon­kur­renz im Dorf ange­spro­chen blei­ben die bei­den Brü­der völ­lig ent­spannt. Man pflege ein kol­le­gia­les Ver­hält­nis, ver­si­chert Edo. „Hier hat jeder sei­nen Platz. Der eine macht eben Pass­bil­der, der nächste Hoch­zeits­auf­nah­men — und wir ste­hen in die­sem Bild für die hoch­wer­tige ero­ti­sche Fotografie.“